Seit Versailles, werden Staatsmänner besiegter Nationen durch ihre Unterschrift unter Friedensverträge bei ihren Völkern unpopulär. Rom stand mehrere Tage lang unter dem Druck dieser Erfahrung. Der längst ratifizierte italienische Friedensvertrag pendelte zwischen den höchsten Regierungsstellen hin und her. Er mußte nur noch unterschrieben. werden, aber niemand zeigte Lust und Eile, diese undankbare Pflicht zu erfüllen. Staatspräsident de Nicola berief-sich darauf, daß er durch eine Verordnung die Ratifizierung der Regierung übertragen habe. Außenminister Sforza dagegen – war der Ansicht, nach internationalem Brauch müßte der Friedensvertrag vom Staatspräsidenten unterschrieben werden. Ministerpräsident de Gasperi vertrat die Auffassung, eine gemeinsame Unterzeichnung durch Staatspräsident und Außenminister sei das richtige. Dieses Spiel "Hannemann geh’ Du voran" war. nicht ohne Komik. Schließlich endete die Irrfahrt des Vertrages. De Nicola erwies sich als die Linie des geringsten Widerstandes; er unterzeichnete.

Der Friedensvertrag, der die Prominenten Roms in solche Verlegenheit versetzte, wird für Italien nicht unerhebliche territoriale. Veränderungen bringen. Am wenigsten noch im Westen, wo sich die Grenze zu Frankreich nur um einige Kilometer am Kleinen St. Bernhard-Paß am Mont Cénis, am Mont Thabor, im Bereich des Chaberton und im Gebiet von Colla Lunga verschiebt. Dagegen verliert Italien im Osten Triest, das-zum Freistaat wird sowie Istrien und die Insel Pelagosä an Jugosiewien, so daß die Grenze etwa am Isonzo verlaufen wird Der Dodekanes fällt an Griechenland, die Insel Saseno an Albanien. Vor allem aber verzichtet Italien auf seine sämtlichen Kolonien in Afrika und auf alle Vorteile und Konzessionen in Shanghai, Trentsin und Amoy. Die Souveränität Abessiniens wird von Italien ausdrücklich anerkannt.

Die Gesamtstärke des künftigen italienischen Heeres wird auf 185 000 Mann mit nicht mehr als 200 mittleren und schweren Panzern begrenzt.-Die Luftwaffe darf 200 Kampf- und Aufklärungsflugzeuge, sowie 150 Flugzeuge des Transport-, Sanitäts- und Ausbildungsdienstes besitzen, während Bomber verboten sind. Die Flotte Italiens wird aus 2 Linienschiffen, 4 Kreuzern, 4 Zerstörern, 16 Torpedobooten und 20 Korvetten mit einem Gesamtpersonal von 22 500 Offizieren und Mannschaften bestehen. Raketengeschosse, Geschütze von mehr als 30 km Reichweite; magnetische Seeminen, Ein mann-Torpedos und automatische Waffen sind Italien verboten. Befestigungen werden zerstört.

An Reparationen hat Italien innerhalb von sieben fahren 100 Mill. Dollar, an die Sowjetunion zu zahlen, außerdem erhalten Jugoslawien 125 Mill. Griechenland 105 Mill., Abessinien 25 Mill. und Albanien 5 Mill. Dollar, Während der ersten zwei Jahre werden Reparationslieferungen aus der industriellen Produktion nicht erhoben werden.

Alles in allem: es ist kein leichter, aber auch kein tödlicher Vertrag. Die Unterschriftshemmungen waren – allzu menschlich – verständlich.

–tz