Der Alliierte Kontrollrat hatte im Herbst desvergangenen Jahres den Neubau von 100 deutschen Fischdampfern auf heimischen Werften genehmigt. Nachdem im Verlauf der vergangenen Monate alle Bemühungen der deutschen Stellen, einen beschleunigten Baubeginn zu erreichen, erfolglos geblieben waren, konnte man beinahe den Eindruck gewinnen, daß die für die Baufreigabe zuständigen Dienststellen vielleicht den Jahrestag des Kontrollratsbeschlusses dafür ausersehen hatten. Dem war aber nicht so. Rund 10 Wochen vorher wurde als erste Serie der Bau von zehn Fischdampfern auf Werften in Hamburg, Bremen und Kiel freigegeben. Diese zehn Neubauten sollen nach dem von der Weser-Werft Seebeck AG., Bremerhaven, entwickelten Fischdampfertypgebaut werden und eine Länge von 43 Metern haben. Es ist zu hoffen, daß recht bald weitere Baufreigaben erfolgen.

Die Verteilung der zu bauenden Fischdampfer auf die einzelnen Hochseefischmärkte ist ebenfalls vorgenommen worden. Das dafür zuständige Fischerei-, referat des Bizonalen Amtes für Ernährung und Landwirtschaft in Frankfurt am Main hatte diese Aufgabe dem Verband der Hochseefischereien in Hamburg übertragen. Nach Ansicht des Verbandes sollen von den erstenzehn Neubauten Bremerhaven 6. Cuxhaven 2 und Hamburg ebenfalls 2 Dampfer bekommen.

Damit sind die nach langen, bürokratischen Kämpfen, von allen Seiten als berechtigt anerkannten Forderungen von Kiel und Schleswig-Holstein leider völlig übergangen worden. Man hatte in Kiel erwartet, daß zumindest schon von der ersten Serie ein Dampfer dem Hochseefischmarkt Kiel zugeteilt werden würde. Es ist. nur zu verständlich, daß man in Kiel über diese Zurücksetzung durch das Bizonale Amt und den Fachverband erheblich verschnupft ist. Massive Protesttelegramme der Regierung von Schleswig-Holstein, der Parteien der Stadt Kiel an Dr. Schlange-Schöningen fordern daher eine sofortige Überprüfung des Verteilungsbeschlusses. we.