Höfliche französische Reisende, die erquickt aus der vom Kriege verschoritgebliebenen Schweiz in ihre Heimat zurückkehre, verbreiten dort, die Schweiz, sei auf kulturellem Gebiet gegenüber Frankreich, das sich nach Kriegsende seine europäische Führung darin wiedererobert hat, um wenigstens sechs Jahre zurückgeblieben. Eh bien! Was zeigt der Besuch der vom Kunstverein Basel in diesem Sommer zürn ersten Male seit, 1933 veranstalteten Gesamtausstellung der Basler Sektion der Gesellschaft schweizerischer Maler, Bildhauer und Architekten? Bezeichnete sich diese Gruppe 1933 noch als "avantgardistisch" und vertrat sie vor 15 Jahren eines der wichtigsten Zentren des europäischen Kunsthandels, so dürfte nach dem Zeugnis der gegenwärtigen Ausstellung über das lokale Ereignis hinaus eine künstlerische Sensation in ihr kaum erreicht sein — es sei denn, daß man sie in den hohen Preisen finde, die zwischen 2030 bis 3OOO Franken für ein Ölbild bis herab zu eintm Durchschnitt von 400 bis 600 Franken betragen. Am höchsten ist ein Triptychon (1939 bis 1945) von Gustav Stettner — mit 6000 Franken — bewertet, während A. H. Pellegrini der heute als einer der repräsentativsten Schweizer Künstler angesprochen wird und die Hodlernachfölge, nametitlich in der Wandmalerei, angetreten hat, fur den Karton zu einem Wandbild im Bürgerspital mit 4000 Franken ansetzt. Der Katalog nennt Namen, von denen nur wenige außerhalb der Schweizer Landesgrenzen bekanntgeworden sind und erhebt in der Einleitung Beschwerde über "schwere Schäden durch unbefugte Pfuscher ", die "einfältige, sinn- und zwecklose Bilder für den meist teuren Verkauf fabrizieren womit wirkliehen Künstlern ihr spärlicher Erwerb unzählige Male tatsächlich abgegraben wird" — dn Problem, das bei der gegenwärtigen Währunjssituation in Deutsdiland noch nicht von <äer gleichen Bedeutung ist wie in einem Lande, dessen Kunstausübung von Frieden umhortet blieb. Und während die Zuckungen der von Kriege aufgerissenen europäischen Länder sinnbildlichen Ausdruck selbst noch in jenen Masken der Harlekine und Clowns finden, denen wir in ihrer Malerei häufig begegnen, ist es in Darstellungen wie "Masken, die ein<n Herrn verspotten" von Albert Aegerter ein runJbäckiges Bürgertum, dessen würdige Geruhsamkeit zum Bildanlaß wird.

E V.