11 Vorgeschichte ist ganz einfach. Die Hutfobrikanlea" bekamen zum alten Stopp Preis kein eiakiges Kaninfell mehr herein. Für 50Pfennige biirst esjsjch nicht, den Balg sorgfältig auf ein Brettdun zu spannen, zu trocknen und aufzubewahren, bis einmal ein Aufkäufer erscheint. Für den Aufkäufer lohnt es sich nicht, die Mr fen, Schwierigkeiten und Kosten auf sich z bswdtfo sind; bei verschwindend geringen Um sitzet und gestoppten Preisen kann er nie auffdtü äKka Importmöglichkeiten, die Fabrikation ttufrgeis Rohmaterial nun endgültig auslief. Die Herrec in Minden standen also damit, wenn sie dieser uoei väaäditen Entwicklung nicht untätig zusehen voüte i vor der Alternative, entweder vom Preissiopp abzuweichen, also sehr hohe Preise für Felle tiud entsprechend höhere für Hüte zuzulassen — o ifcf aber das Tausehges chäft "Rohstoff gegen F ;- t gfjprkat" auf diesem Teilgebiet der Erzeug ing großzügig zu legalisieren Sie haben des schneidenden Modifikation, daß der Satz für den Umtausch um die Hälfte höher normiert wird "als 2 r FeJIe erhält, kann also, nachdem, er dem Eintieferer zwei Hüte als "Gegenwert" geliefert hat. noch einsrr dritten Hut herstellen, und dieses dritte Stück wird- nun, gegen Bezugsschein, an den als bedürftig anerkannten, Normalverbraucher zum Jblichea Stopp Preis abgegeben.

Das ist also, nahezu, das Ei des Kolumbus: der Rohstoff, der für den "Erzeuger" bisher" "uninter assanr" war u n d, auf dem Abfallhaufen verdarb, kommt wieder zu Ehren. Zugleich aber ist Vorsorge getroffen, daß nicht nur der "Sachwertbesitzer" in den Besitz des Fertigprodukts kommt, iSQndern auch die Normalverbraucher, mit immerhin sinem Drittel der Gesamterzeugung, ihre Zuteilungen erhalten: Friedensware zu Friedens preisen! Ist das nicht eine Patentlösung, eine herrliche Sache? Gewiß: unter den derzeitigen Verhältnissen ist die Entscheidung des Mindener Amtes immer noch das relativ Vernünftigste. Der an sich mögliche Einwand dagegen, daß nämlich durch den behördlicherseits geförderten Tausch der ZirkulationsUFid Geltungsbereich für das "gesetzliche Zahlungs- mitte!" Reichsmark wieder um ein wehig eingeschränkt werde, wiegt nicht eben schwer. Sobald wir aber die Frage aufwerfen, ob die so gewähr- leistete Produktion auch den Volkswirtschaftlidi richtigen Weg gehtd h ob sie in die "rechtea gelangt, so kommen "wir damit an den kritischen hi allen nur denkbaren Variationen wird heute total verarmtes Volk seien. Das heißt also do<h Lebensstandard abzufinden (oder darauf ein, zurichte) haben. Konkret, gesprochen, ind wir vorn Hut Standard auf den Mützen Standard ge- VWüna iäJss stem, wo die in Geld ausgedrückten yrtreiationen "zwischen den einzelnen Gütern ad £:iscungen vöjlig nichtssagend geworden sind a i dä< Geld auch seine Funktion der "Werferhaltimj " weitgehend ingebüßt hat — heute mag es noch angehen dafi der Bahnwärter Huber aus. Hmtergstetten in seiner Eigenschaft als Schreber särtner für zwölf Kaninchenfelle einen neuen Sanatagshut eihält (den er nicht" braucht, weil er ja seine Dienstmütze trägt). Und daß, ebenfalls füf zwölf Kaninchenfelle, der Ökonom Mayr aus Obertupfing den glekheti Hut bekommt (den er ib entalk nicht braucht, weil die drei in seinem Schrank liegenden Hüte für alle Gelegenheiten, Hochzeit, Kindtaufe, Begräbnis, Kirchweih und Pilirt zum Amt, noch völlig ausreichen). Heute, wie gesagt, unter einem Geldsystem, das keine verini irtfge Kalkulation, keine rentable Produktion and keine sinnvolle Verteilung mehr ermöglicht, p g "das noch hingehen. Aber eines Tages, muß W i wird wieder eine richtige- Geldrechnung innerhalb der Volkswirtschaft möglich sein, und < knn wird offenbar werden, daß jede kleinste Roh<3<:o3menge, selbst ein so lächerlich geringfügiger Posten von acht Kaninfellen, demjenigen- Veredlungszweck zugeführt werden muß, der den höchsten > added value" ergiBt.

In einer verarmten, von Rohstoffen und Gebrauchswaren weitgehend entblößten und mit relativ hohen "Kosten vorbelasteten Volkswirt ; schäft wird das System einer Warenbewirtschaftung zu künstlich niedrig gehaltenen Preisen — wemi überhaupt nur fürganz" wenige Dinge, für Lebensrnittel, für Mieten, für Gegenstände des aHerdringlichsten LebensbedarfesV aüfrechtzuerhalten sein, für alles andere aber wird die frei Preisentwicklung geboten seini nur der Preis kann das Regulativ für die, Verteilung des sogenannten Sozialprodukts- auf die einzelnen ~£in kommensbezierier (und für "die Abzweigung eines Tils der Erzeugung in den Export) sein. Nur über das ungünstigere Verhältnis zwischen Bnkommea and Preisen, verglichen mit den Vorkriegsverfiältnissen, kann sich der niedrigere Lebensstandard, der auf Jahre hinaus unser Schicksal" fct einigermaßen einspklen". Den Versuch einer "Zwangsbewirtschaftung der Armut" aber, bei der die Einkommen künstlich hoch, die Preise künstlich niedrig gehalten werden, während der Ausgleich zwischen dem Übermaß an Kaufkraft einejseits, der Unterversorgung an Bedarfsgütern anderseits durch eine Zuteilung "von amtswegen" io gj — ein solches desperates Experiment wird man nach den Erfahrungen mit der Bezugsschein- Wirtschaft der letzten Jahre ernstlich wohl nicht be Krworfeti wollen.

- Bettler dürfen nicht wählerisch sein, wie ein englisches Sprichwort sagt, und arme Leute können mcat alle haben, waa sie wohl brauchten" wndl wünschten. Arm seia, heißt knapp versorgt m: aicBt Bedarf und Wunsch, sondern die Bemessung der Einkommen und ihre Relation zu <ten Preisen, werden darüber entscheiden, was "gekauft weiden kann. Daß ein sozialer Ausgleich" rtoen muß zugunsten jener, die sich aus eigeArn können, ist dabei eine SelbstverständlicaIcdfc Ebenso, selbstverständlich aber- ist, daß die Mittel hierfür Hur durch Abzweigungen aus ane?n ankommen zu beschaffen sind, also aus Steuern, und daß eine steuerliche Überbelastung