Ölkonzession ist nicht gleich – Ölkonzession. Denn im Gegensatz zu den Verhältnissen im Kohlenbergbau, wo es sich um fast gleichmäßig verteilte und verhältnismäßig gleichwertige Vorkommen handelt, weicht der Wert der verschiedenen Erdöllagerstätten außerordentlich weit voneinander ab. Daß sich vor Jahrmillionen in der Gegend des heutigen Persischen Golfes stark zerklüftete Kalke, die sogenannten Asmarikalke, abgelagert haben, daß sich in ihnen dann die Überfeste organischen Lebens von anderen verlandeten Meeren in besonders reichem Maße als Erdöl ansammelten und der Kalk später von undurchlässigen Schichten überlagert wurde, ist zu einem weltpolitischen Faktum ersten Ranges geworden. Diese Asmarikalklagerstätten im Irak und Iran liefern enorme Durchschnittserträge seit ihrer Erbohrung durch britische und amerikanische Gesellschaften. Im iranischen Ölfeld Haft Kel werden beispielsweise 9 Mill. t jährlich aus 24 Bohrungen produziert; im amerikanischen Osttexasfeld mußten dagegen 12 700 Bohrungen niedergebracht werden, ehe die gleiche Menge gefördert werden konnte. Das Gebiet im Norden Irans, das die Russen begehren, ist nun keineswegs mit denselben glücklichen Lagerstättenverhältnissen gesegnet. Es ist durch die Deckenzone von Südiran und dem Asmarikalk geologisch getrennt und daher wahrscheinlich viel weniger ergiebig.

Die ungeklärten Verhältnisse in Palästina stellen die anglo-amerikanischen Ölgesellschaften vor – schwierige Entscheidungen. Hierin liegt der Un-Sicherheitsfaktor für die Berechnungen, die darauf hinauslaufen, billige Transportwege für das arabische Öl durch die Verlegung, großer Pipelines zum. Mittelmeer zu schaffen. Zwei solcher Leitungen sollen außer der bereits vorhandenen von Kirkuk nach Haifa und Tripolis gelegt werden. Die Leitung der Aramco (Arabian-American Oil Die wird von Saudi-Arabien ausgehen; die der Anglo-Iranian von – Südpersien mit einer Zuleitung von Kuwait. Nach, einer jüngsten Pressemeldung aus New York ist von der Trans-Arabian Pipe Line Co., der Tochtergesellschaft der Aramco, die die erstgenannte Leitung bauen soll, beschlossen worden, die Ölleitung nicht, wie ursprünglich vorgesehen, in Palästina, sondern in dem natürlichen Hafen von Sidon, 50 km südlich Beirut, im Libanon enden zu lassen. Entsprechende Verträge wurden mit der Regierung des Libanon und auch mit Syrien, dessen Staatsgebiet von der Leitung gekreuzt wird, am 1. September unterzeichnet. Sidon soll mit Docks und Werften zu einem modernen Ölumschlagshafen umgewandelt werden. Man rechnet damit, im Jahre 1949. die Bauarbeiten beenden zu können, um dann täglich 40 000 t arabisches Öl zur. Verschiffung nach europäischen Häfen zur Verfügung, zu haben.

Von Norden und Süden her beunruhigt, entwickelt sich die Ölgewinnung in Arabien in rapidem Tempo. Amerikanische Berechnungen gehen dahin, daß im Jahre 1951 77 Mill. t, das heißt etwa 25 v. H. der gegenwärtigen Weltproduktion, gefördert werden. Die arabischen Länder, die heute bereits Knotenpunkt weltwirtschaftlicher und weltpolitischer Kraftlinien sind, werden daher als Reservoir. für den europäischen Ölverbrauch wachsende Bedeutung gewinnen. Alfred M. Stahmer