Die französischen Arbeiter zeigten in den letzten Monaten eine Streitlust, die – abgesehen von den politischen Zielen – auch ihre nüchterne wirtschaftliche Seite hatte: die Preise entwickelten sich und entwickeln sich noch heute unter geringerer staalicher Bevormundung als die Löhne, die seit der Deflationspolitik des Kabinetts Blum festgehalten werden, so daß sich die Schere zwischen Löhnen und Preisen täglich weiter öffnet Mehrere Ausstände zwangen das Kabinett Ramadier, bei verschiedenen Berufszweigen von seiner starren Lohnpolitik abzugehen und einige Lohnerhöhungen um wenige Prozent zuzugestehen. Da jedoch die Preise immer wieder "davonlaufen", war die Kraft, die die Gewerkschaften in diesen Streiks angewandt hatten, verpufft.

Um nun endlich eine harmonische Gestaltung der Löhne und Preise zu erreichen, kamen nach langen Debatten die CGT, die französische Gewerkschaftsorganisation, und die CNPF. als Vertreterin, der Arbeitgeber, überein, als Grundlage eine Verbindung zwischen den staatlichen Preisfestsetzungen mit den freien Preisen des schwarzen und grauen Marktes, die zusammen den wirtschaftlichen Alltag ausmachen, für eine Lohnerhöhung zu wählen; Die Leitartikler der Pariser Zeitungen widmeten der kaum erwarteten Übereinkunft lange Aufsätze, ergingen sich in Betrachtungen über den zukünftigen sozialen Frieden und schrieben von nationaler Solidarität.

Das Kabinett aber widersetzte sich dem Abkommen, getreu seiner Linie, die die Deflationspolitik fortzuführen gedenkt. Es behält seinen Standpunkt, die Theorie von den gesetzlichen Preisen bei und setzt sich einer Pressekampagne aus, die von "spitzfindiger Heuchelei" zwischen wirklichen und gesetzlichen Löhnen und Preisen spricht. Man gibt. wiebisher, um einige Prozente nach; so genehmigte man 11 v. H. Lohnerhöhungen und 5 v. H. Preissteigerungen in einzelnen Industriezweigen gegenden Willen der verbündeten Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Ohne näher darauf eingehen zu wollen; daß – Frankreichs Presse ihrer Regierung mangelnde Standfestigkeit im Verfolg ihrer Prinzipien nachsagt, muß – vom Interessenstandpunkt der Binnenwirtschaftler gesehen – die Haltung der Regierung in Wirtschaftsdingen unverständlich sein; es ist – aber nicht zu vergessen, daß Frankreich auf dem Weltmarkt, mit dem es unweigerlich verknüpft ist, schon jetzt viel zu teuer ist. Wie soll es erst, in Zukunft werden, wenn die sich gegenseitige bedingende Steigerung, von Löhnen und Preisen ohne Erhöhung des französischen Sozialprodukts und ohne Änderung des Wechselkurses des Franken, der nach dem Abkommen von Bretton Woods gebunden, ist Weiterhin anhält? W-n.