Die Zeit

Wirtschaft

Folgendes hat sich in Frankfurt im Ernährungsausschuß des Zwei-Zonen-Wirtschaftsrats, zugetragen:

Dr. Meseck, der Referent für Fischereifragen im Zweizonenamt für Ernährung und Landwirtschaft, erklärte, daß der Bau der 100 Fischdampfer, die laut Beschluß des Kontrollrats vom 8. November 1946 (in bestimmter Typenbegrenzung) gebaut werden dürfen, immer wieder verschoben werde. "Privatwirtschaftliche Interessen" spielten bei dieser Verzögerung des Baues eine Rolle. – Der Sprecher der SPD-Fraktion, Dahrendorf (Hamburg), hieb in dieselbe Kerbe, mit der Erklärung, "offenbar" verzögerten die Werften den Bau der Dampfer, um nicht vor der Währungsreform ihr Material verbauen zu müssen. Der SPD-Antrag, die Neubauten einer gemeinwirtschaftlichen Reederei in die Hand zu geben, veranlasse "offenbar" auch die Reeder, dem Bauprogramm Schwierigkeiten zu bereiten. Abschließend erklärte Herr Schlange-Schöningen, der Bau der Fischdampfer solle, im Interesse der Ernährungslage, beschleunigt werden, ohne Rücksicht auf irgendwelche Privatinteressen .... So war der Verlauf der Debatte, wie in der Presse mitgeteilt wurde, und wie unser Frankfurter Korrespondent uns ausdrücklich bestätigte. Verständlich, daß Werften und Reeder den Vorwurf der Sabotage des Bauprogramms nicht auf sich sitzen lassen wollen! Der Direktor einer großen Hamburger Werft hat alsbald, wie er uns sagt, den Referenten Dr. Meseck wegen seiner Äußerung "zur Rede gestellt". Ergebnis: Dr. Meseck kneift. Er meint, daß die Berichterstattung der Presse ungenau sei. Er argumentiert, daß er die Werften überhaupt nicht genannt habe (was sogar richtig ist); er meint, daß sein Vorwurf nicht an die Adresse der Werften gerichtet sei, sondern an diejenige, der Fischdampfer-Reedereien.