Die wirtschaftlichen Konstruktionen des vergangenen Regimes waren nicht gerade durch Folgerichtigkeit und Klarheit, geschweige denn durch eine Realisierung der programmatisch oder rhetorisch aufgestellten Ziele gekennzeichnet. Das bekannteste Beispiel war der Hermann-Göring-Konzern, ein unübersichtliches Mammutgebilde, zusammengerafft aus Unternehmungen der verschiedensten Art und Etzeugungsrichtung, Machtstreben und Zufälligkeiten, wehrwirtschaftliche Gesichtspunkte, Bekämpfung von Widerständen in der Wirtschaft und ähnliche, mit nüchternen wirtschaftlichen Überlegungen nur selten in Einklang zu bringende Spekulationen haben dabei Pate gestanden.

Ein anderes Gebilde dieser Art; nicht was Größe, sondern die bunte Zusammenwürfelung angeht, stellte sich mit großer Verspätung eigentlich erst jetzt richtig vor: Das Reichsministerium Speer. Für die britische Zone und den britischen Sektor Berlins würde vor kurzem eine Abwicklungsstelle seiner Dienststellen, Organisationen und Gesellschaften eingerichtet, wobei sich ein Einblick in ein wenig erfreulich wirkendes Sammelsurium auftat. Neben der Organisation Todt, der Transportflotte und dem Transportkorps Speer finden sich da als Hauptgruppen die Industriekontor GmbH., – die Rüstungskontor GmbH., und die Montan-Industriewerke GmbH; Das macht sich nach außen recht fachmännisch und solide. Aber wie den Montan-Industriewerkenneben Stahlwerken, Maschinenfabriken, Textilunternehmungen auch der Generalinspekteur für das deutsche Straßenwesen und der Generalinspektor für Wasser und Energie zugehörte, so finden sich unter den anderen beiden GmbH, die Erdölförderung neben dem Esplanade-Hotel, die Generatorkraft AG. neben den Reichsautobahn-Raststätten oder den Deutschen Industrie-Werken.

Aber auch die Spitze, ist keineswegs "einseitig" orientiert. Denn die Industriekontor GmbH, rangiert in einer Reihe, neben dem "Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt Berlin", der seinerseits wieder die "Bildteppichwerkstätten GmbH." oder die "Steinbildhauerwerkstätten Arno Breker GmbH." (Motto: "Je größer, desto schöner"), umfaßte.

Eine solche "Synthese" zwischen Ministerium und wirtschaftlichem Großbetrieb, zwischen Kunst und Erdöl, Maschinenbau und Bildteppichen zu finden, war der damaligen Zeit vorbehalten. Und die Ergebnisse ihrer wirtschaftlichen Konstruktionen waren denn auch so, wie zu erwarten. -oe-