vom 11. September bis 17. September 1947

Am 16. September wurde in New York die Vollversammlung der Vereinten Nationen eröffnet. Vor seiner Abreise nach New York brachte Außenminister Marshall die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten zum Ausdruck, sich rückhaltlos für eine erfolgreiche Entwicklung der UNO einzusetzen. Er stellte fest, daß das Griechenland- und das Palästinaproblem zu den wichtigsten Punkten der Tagesordnung zählten, mit denen sich diesmal die Vereinten Nationen zu befassen haben werden.

Der französische Außenminister Bidault erklärte vor der außenpolitischen Kommission der französischen Nationalversammlung, er werde sich in New York jedem Beschluß widersetzen, der für Frankreich den Verlust des Vetorechtes im Sicherheitsrat bedeuten würde. Der sowjetische Vertreter Gromyko lehnte den zweiten amerikanischen Bericht zur internationalen Atombombenkontrolle ab. Damit langte der Atomenergie-Ausschuß in seiner Arbeit auf einem toten Punkt an. Der Oberkommandierende der "demokratischen Armee" der griechischen Aufständischen, General Markos, hat einen Appell an die Vollversammlung der UNO gerichtet, Vertretern der griechischen Aufständischen Gelegenheit zu geben, ihre Angelegenheit vor der Vollversammlung zu vertreten. Die Pläne für eine skandinavische Zollunion, wie sie augenblicklich in Stockholm und Kopenhagen besprochen werden, würden "den nördlichen militärischen und politischen Block als Teil des Westblocks, wie er von britisch-amerikanischen Reaktionären beabsichtigt ist, einbeziehen.", schrieb der diplomatische Mitarbeiter des sowjetischen Regierungsblattes "Iswestija".

Der Schlußbericht der 16-Mächte-Konferenz über den Marshall-Plan würde voraussichtlich eine Woche später abgeschlossen werden, wurde auf einer Pressekonferenz in Paris bekanntgegeben. Politische Kreise, meint der Reuter-Korrespondent, sähen in dieser Meldung eine Bestätigung der Berichte, nach denen der amerikanische Staatssekretär Clayton den Abschlußbericht der Konferenz in seiner jetzigen Form als unannehmbar für die USA-Regierung und als "nicht überzeugend" für die öffentliche Meinung Amerikas bezeichnet hätte. Dreizehn der sechzehn in Paris auf der Konferenz zur Ausarbeitung des Marshall-Plans vertretenen Staaten teilten ihren Entschluß mit, ein Studienkomitee zu schaffen, um die Möglichkeit zur Bildung einer Zollunion zu prüfen. Die Besprechungen, die der ägyptische Ministerpräsident Nokraschy Pascha im amerikanischen Außenministerium führte, sollen nicht die von ihm erhofften Ergebnisse gehabt haben, meldet Reuter aus Washington. Diese Besprechungen betrafen vor allem Ägyptens Bitte um militärische und technische Hilfe bei der Motorisierung der ägyptischen Armee. Die amerikanische Flotte bleibt im Mittelmeer, versicherte der Befehlshaber der USA-Marinestreitkräfte im Mittelmeer, Admiral Bieri einem Vertreter der italienischen Zeitung "Momento Sera". Die Interessen der Vereinigten Staaten in Europa würden auch mit Abschluß des Friedensvertrags mit Deutschland nicht beendet sein, fügte der Admiral hinzu.

Die Produktionskapazität der sowjetischen Panzerindustrie wurde von der Moskauer "Prawda" mit 30000 Panzern und Selbstfahrlafetten jährlich angegeben. Nach Abgabe des amerikanischen Hilfsversprechens für Persien durch Botschafter Allen’ in in Teheran, beschuldigte der Sender Moskau die persische Regierung der Verletzung des Ölabkommens vom April 1946. Der amerikanische Botschafter hatte erklärt, die USA würden Persien unterstützen, wenn es die freie Verfügung über seine Naturschätze in Anspruch nehme. "Die sowjetischen Vorschläge in der Angelegenheit der nordpersischen Ölkonzession. sind für Persien unannehmbar", erklärte der persische Ministerpräsident Ghavam es Sultaneh. Im britischen Außenministerium wurde mitgeteilt, der britische Botschafter in Teheran habe der persischen Regierung angeraten, auch für den Fall die Tür für weitere Verhandlungen mit der Sowjetunion offenzuhalten, daß das persische Parlament das persisch-sowjetische Abkommen nicht ratifizieren wollte. Die österreichische Regierung kündigte eine Säuberung der Polizei von kommunistischen Elementen an. Vorher hatte die russische Besatzungsmacht vom österreichischen Innenminister Hellmer verlangt, neun Kommunisten im Polizeidienst in hohe Stellungen einzusetzen. Der tschechoslowakische Industrieminister Lausman trat aus Protest gegen "kommunistische Umtriebe innerhalb der nationalisierten Industrie" zurück. Der Kommandant der aus dem Kriege bekannten polnischen "Freiheits- und Unabhänigkeitsbewegung", Niepokolozycki, und sieben andere Angeklagte wurden vom Krakauer Gerichtshof wegen Verbrechens gegen den Staat und Spionage zugunsten General Anders zum Tode verurteilt.

Ein Übereinkommen über die Kontrolle der Ruhrkohlenproduktion wurde zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien unterzeichnet. Eine deutsche Kohlenverwaltung soll die Verantwortung für die Kohlenproduktion unter Aufsicht der neuen britisch-amerikanischen Körperschaft übernehmen. Die Neuregelung berührt nicht die Frage des Eigentums an den Kohlenbergwerken.