Dies; notdurch bebte Jahr 1947 hat in einem wenigstens ein Stück Wiedergutmachung gezeitigt, das – so fragwürdig es dem Manne selbst gegenüber wäre er noch am Leben, hätte anmuten müssen – gleichwohl posthum für sein Werk eine echte Genugtuung bedeutet. Gemeint ist die Aufstellung der vollendeten Figuren am Barlachs Lübecker "Gemeinschaft der Heiligen in jenen Nischen der Schauseite von St. Katharinen, für welche diese Plastiken von Anbeginn geschaffen worden sind. Der großzügige Auftrag, dem sie entwuchsen, war, vor bald zwei Jahrzehnten, von Carl Georg Heise angeregt worden, der denn auch später durch die Nazis prompt aus dem Amt eines Lübecker Museumsleiters entfernt wurde Als Material hatte man gebrannten Ton gewählt, in Entsprechung dem schwarz und rot glasierten Backstein der gotischen Fassade des kirchlichen Bauwerks. Sinnvoll sollten die Mittel aufgebracht werden, indem einzig, wer eine dieser etwa zwei Meter hohen Keramiken stiftete, für sich selbst ein andere". nicht erwerbbares Doppelstück seiner Schenkung erhielt. Als erste der Figuren entstand 1931 der "Bettler" auf Krücken, dessen Doppel nach den Vereinigten Staaten, an die Harvard-University in Cambridge/USA. ging. Es folgten der "Singende Klosterschüler" und die "Frau im Wind". Dann kam das Jahr 1933. und die Stifter für die übrigen Glieder des Zyklus blieben aus. Von einer Aufstellung in St. Katharinen war keine Rede mehr "Klosterschüler" und "Frau" fanden zwar ein Asyl in der Hamburger Kunsthalle, doch mußten sie schließlich auch dort weichen, um als Zwangsverbannte auf den Güstrower Heidberg zurückzukehren, wo Barlach ahnungsvoll aussprach, die Lübecker Nischen würden leer bleiben; denn er stürbe darüber hin. Gerade der Lübecker Auftrag war von Barlach als innerste Verpflichtung aufgenommen worden, was sich noch auf seinem Rostocker Sterbelager bekundete, "Ob ich noch einige kleine Hölzer mache oder nicht", sagte der Todesnahe, "ist nicht so wichtig. Da ich das Lübecker Werk nicht vollenden darf!" Diesen Ausspruch überliefert, nach dem Zeugnis Bernhard A. Boehmers. Paul Schurek in seinem eben jetzt (bei. Ciaaßen & Goverts, Hamburg) publizierten Erinnerungsbuch "Begegnungen mit Ernst Barlach", darin nicht nur die Leidenshistorie der zur Fragmentik verdammten Lübecker "Gemeinschaft", sondern auch die (der Förderung eines Hamburger Kunstsammlers verdankte) Arbeit am "Fries der Lauschenden" und dessen Vollendung mit schöner Teilnahme beschrieben ist. Das mit erlesenem Bildmaterial ausgestattete Buch, das außer anderem Wiedergaben des "Frieses" Und der Lübecker Gestaltungen enthält, legt den Zublick frei, auf das allen Zurücksetzungen, Verleumdungen und Verfolgungen entrungene Schaffen Barlachs bis in das Dunkel des Todesjahres 1938: eine Chronik vom Martyrium des schöpferischen Menschen unter den Fesseln und dem Alpdruck des totalitären Regimes schlechthin, die als persönliches Memorial mit/den Mitteln des beschreibenden Wortes liebevoll verdeutlicht; was mit der öffentlichen Aufstellung des Lübecker Triptychons nun seine muß man hoffen. dauernde Manifestation in der wortlosen Sprache des Kunstwerks von Barlachs eigener Hand gewonnen hat: – inmitten der "Bettler", nordwärts die "Frau im Wind" südwärts der "Singende Klosterschüler"; alle drei nunmehr Auge in Auge mit den Gestirnen.

–th