R. W. Cooper: "Der Nürnberger Prozeß", Scherpe-Verlag, Krefeld.

Dies Buch hält sich nicht auf mit einer Schilderung des Prozeßverlaufs oder einer übermäßig ausgedehnten Analyse der Prozeßführung in Nürnberg. In der Zusammenstellung des Mateals erreicht der Verfasser vielmehr eine Wucht, wie sie in der auf Monate verteilten täglichen Berichterstattung der Presse niemals möglich sein konnte. Insbesondere der intime Einblick in die Hitlersche Außenpolitik, einer Politik ohne Treu und Glauben, der Haltung eines ins wahrhaft Verbrecherische übersteigerten Machiavellismus verleiht dem Buch einen kaum zu überbietenden informatorischen Wert. Von den aufgezeichneten Telephonaten Görings mit seinen Wiener Helfershelfern beim ultimativen Sturz Schuschniggs, von den Vorbereitungen zur Annektierung der Tschechoslowakei oder den internen Vorgängen beim Angriff auf Polen bis hin zu dem letzten Akt innenpolitischer Perfidie, dem Überfall auf die Sowjetunion, enthält das Buch die entscheidenden Geheimdokumente, Gespräche, Erlasse, Reden und Kommandobefehle, in denen sich das Bild dieses unmoralischsten aller Regime, die Deutschland je hat ertragen müssen, vollendet und auf denen die Nürnberger Anklage fußte. Kein deutscher Leser wird ohne Erschütterung einen Blick in diesen Abgrund regierender Teufelei zu tun vermögen. Das reichliche Lob der britischen Mitglieder des Nürnberger Juristengremiums wärehierbei durchaus entbehrlich, wie auch dieseoder jene Betonung mehr vom ausschließlich alliierten Standpunkt aus berechtigt erscheint. So wird für den deutschen Leser der Versailler Vertrag nicht deshalb gerechter, weil der Verfasser des Buches die "Ungerechtigkeiten" dieses Vertrages in Anführungsstriche setzt. Nur am Rande sei der amüsante Streich vermerkt, den die fremde Sprache dem britischen Autor spielt, wenn er in offenbarer Unkenntnis des deutschen Begriffes "Lakei" über Keitel schreibt: "La Keitel – wie ihn die anderen Offiziere wegen seiner blinden Hingabe an den Führer nannten". – Für die Geschichte der Moral des Hitler-Regimes besitzt das Buch den Charakter eines Nachschlagewerkes ersten Ranges. -tz