Es geht ein Mann von Tür zu Tür, aber er verkauft keinen Nürnberger Tand: er kommt vom Nürnberger Haupternährungsamtund trägt viele. Fragebogen in seiner Hand.

Essind Monstre-Fragebogen.Wer sie gesehen hat, erbleicht und wird noch in seinen Träumen vom Alpdrücken heimgesucht. Für jeden Haushalt und für jeden Tag soll zunächst einmal der Bestand und der Zugang an 26 (sechsundzwanzig!) verschiedenen Lebensmitteln festgelegt werden: Rechnung in Gramm. O glückliche USA-Zone, wo es noch 26 Kategorien an Lebensmitteln wenigstens in der Theorie gibt: angefangen mit Brot, Weizen- und Roggenmehl, Fett, Fleisch, Fischen, Nährmitteln, Teigwaren, Maisgrieß. Suppenerzeugnissen über Hülsenfrüchte, Käse, Quark, drei Sorten Milch, Zucker, Marmelade, Frischeier und Trockeneier bis zu Kartoffeln, Obstkonserven und Trockenobst, Gemüsekonserven, Trockengemüseund Frischgemüse. (Kaffee-Ersatz ist vergessen...) Also Bestand am ersten Tag plus Zugänge aus sieben, einzelnen Wochentagen, einschließlich Sonntag, an dem freilich nicht eingekauft werden kann, und Summe über alles – macht 9 mal 26 Rubriken.

Aber das ist noch längst nicht alles. Denn nun soll noch eingetragen werden (in Gramm, bitte sehr): "Zusätzliche Lebensmittel undVerpflegung außer Hause", neue Summe, gleich Bestand am siebenten Tag. Gesamtverbrauch, zustehende Menge, Mehrverbrauch; Minderverbrauch – und das alles für 26 Lebensmittel!

Die Herren vom Nürnberger Haupternährungsamt. so weltfremd, wie nur je ein Bürokrat seinkann, glauben offenbar, daß ihre Ermittler, die sievon Tür zu Tür schicken, "richtige"; Unterlagen beibringen könnten. Mein Gott, welch Abgrund, von Naivität... und das in der Stadt des Nürnberger Trichters!

Während so in der braven Stadt Nürnberg Tausende und aber Tausende von Fragebogen mit völlig sinnlosen Zahlen vollgeschrieben werden,vonRechercheuren, die längst an dem gesunden Menschenverstand ihrer bürokratischen Auftraggeber verzweifelt sind, und auf Grund von Angaben unzähliger Hausfrauen, die nie an den gesunden Menschenverstand in den Ämtern geglaubt haben – während also dies geschieht, fehlt es in unzähligen Einzelhandelsgeschäften an Papier, an jenem Minimum von Papier, das notwendig wäre, um die laufende Buchführung auf dem vorgeschriebenen und notwendigen Stand zuerhalten. "Meine Buchführung", so schreibt uns einer der vielen hilflosen Geschäftsinhaber, "findet im Augenblick nur noch auf losen Zetteln statt. Und was dann, wenn auch das nicht mehr geht? J. P.H.