Von interessierter Seite wird um geschrieben:

Auf einer der letzten Kohlenzuteilungssitzungen in Minden ist mit Recht gesagt worden, daß in Zukunft die augenblicklichen und unmittelbaren Bedürfnisse der Menschen weit mehr als bisher in den Vordergrund gestellt werden müßten. Weite Kreise des Handwerks dürfen für sich in Anspruch nehmen, daß sie ausschließlich für die "augenblicklichen und unmittelbaren Bedürfnisse" der Menschen tätig sind. / Man denke dabei besonders an die Erhaltung und Instandsetzung all der Güter, die seit Jahren nicht mehr erneuert werden konnten, an die Arbeit der Schuhmacher, Schneider, Klempner, Installateure usw. So hat etwa ein einziger Klempnermeister in seiner Nebenabteilung mit vier Gesellen jährlich 20 000 Töpfe repariert; das Schuhmacherhandwerk eines einzigen Kammerbezirks in einem Monat 530 000 Paar reparierte Schuhe herausgebracht, und das geschah bei völlig unzureichender Rohstoff- und Kohlenversorgung.

Die Handwerker müssen aber die Erfahrung machen, daß die Kohlenbewirtschaftungsstellen immer nieder an solchen Tatsachen vorübergehen. Es ist eine durch nichts gerechtfertigte Benachteiligung des Handwerks und eine geradezu offenkundige Außerachtlassung seiner Bedeutung für die Gesamtwirtschaft, wenn für einzelne Industriezweige Kohlenkontingente bis zu einer Größenordnung von einigen 1000 Tonnen ausgeworfen werden, während wichtigste Handwerkszweige in einem Sammelkontingent mitlaufen und in der Deckung ihres Kohlenbedarfs von der mehr oder weniger handwerksfreundlichen Einstellung der Kohlenbewirtschaftungsstellen abhängig sind, die sich: auch bei wohlwollender Einstellung dem Handwerk gegenüber dem Druck, den insbesondere der Krankenhaus- und Behördenbedarf ausübt, nicht durchzusetzen vermögen. Dabei halten, sich die mengenmäßigen Kohlenförderungen des Handwerks mit 150 000 t monatlich in recht bescheidenen Grenzen. Oder sollten die Strafanstalten in Dringlichkeitsstufe. II wichtiger sein als das Handwerk, das sich mit der niedrigsten Dringlichkeitsstufe begnügen muß?

Die Notwendigkeit einer ausreichenden Kohlenzuteilung an die Krankenhäuser, die jetzt ein eigenes Kohlenkontingent erhielten, soll und kann nicht bestritten werden. Aber man kann das. Handwerk unmöglich auf die Dauer schlechter behandeln als kleine und kleinste Industriegruppen, die seit-Jahren über ihr eigenes Kohlenkontingent verfügen, obwohl sie in ihrer Bedeutung für den täglichen Lebensbedarf der Bevölkerung (wie auch hinsichtlich ihres Kohlenbedarfs) bei weitem nicht an das Handwerk heranreichen. Wenn das Handwerk ein eigenes Kohlenkontingent fordert oder doch zumindest die Auflösung der Koppelung zwischen öffentlichen und gewerblichen Kleinverbrauchern, dann nur, um gerade für den kommenden Winter die "Winterfestmachung" unserer Wohnungen, unserer Schuhe und Kleidung und die Reparatur der dringendsten Güter des täglichen Bedarfs zu gewährleisten. hv.