Auf einer Pressekonferenz beim Frankfurter Wirtschaftsrat hat General Clay vor kurzem auch über die Lebensmitteleinfuhren nach Deutschland gesprochen; Es sei möglich, so führte er aus, daß die USA künftig die Zusammensetzung ihrer Lebensmittelsendungen ändern würden (– was ja wohl bedeuten würde: bei gleicher Kalorienmenge Ersatz von Getreide durch "Edelprodukte", wie Trockenfrüchte, Trockenei, – Trockenmilch – vielleicht auch Ölkuchen zur Extraktion gemäß dem Winterhoff-Plan, wenn schon keine Ölfrüchte erhältlich sind, und hoffentlich auch weitere Mengen an Soja!). Weiter sagte General Clay: die beiden Militärregierungen der Westzonen hätten bei. den Nachbarländern Deutschlands angefragt, ob sie nicht die von ihnen angebotenen. Lebensmittel auf Kredit liefern wollten: die geringen Dollarbestände müßten ja "für. Importe von hohem Kalorienwert, verwendet werden". Aber kein europäisches Land habe sich zu Lebensmittellieferungen auf der Grundlage der gleichen Zahlungsstundung bereiterklärt, wie sie von den beiden angelsächsischen Mächten der Doppelzone gewährt werde.

Man muß das genau lesen: nicht von Lieferungen auf Kredit schlechthin ist die Rede, sondern von "Zahlungsstundungen", analog denjenigen, die England und die USA geben; – Solche Zahlungsstundungen aber, für die es ja bisher verbindliche Abmachungen über die allmähliche Abdeckung noch gar nicht gibt, kann naturgemäß kein anderes Land gewähren. Lieferungen, auch von hochwertigen Lebensmitteln (Fische, Ölfrüchte), gegen Kredite auf vernünftiger kommerzieller Grundlage, dürften dagegen, wenn wir die Worte General Clays richtig verstanden haben, durchaus erhältlich sein. Nur – es ist darüber eben noch nicht verhandelt worden.

Und nochmals müssen wir unsere Leser bitten, genau zu lesen. Von den "Nachbarländern" Deutschlands, von "europäischen" Ländern, sprach General Clay. Die Frage, ob nicht auch Angebote über Lebensmittellieferungen nach der Doppelzone von anderen – also überseeischen – Ländern vorliegen, und das auf Kreditbasis, liegt also doch wohl nahe. Vielleicht wird sie General Clay in der nächsten Pressekonferenz gestellt und von ihm beantwortet?

G. K.