Die folgenden Ausführungen, die uns der "Vater des Kleinsthofplans", Landwirt Heinrich Jebens in Hamburg-Rahlstedt, zur Verfügung gestellt hat, geben bei aller Einseitigkeit der Problemstellung doch manche wertvollen Anregungen vor allem vermitteln sie einen guten Einblick in die von Jebens seit Jahr und Tag – und neuerdings mit zunehmendem Erfolg – öffentlich propagierten Gedankengänge. Wie uns berichtet wird, ist die Kleinsthofbewegung mit auch organisatorisch in gutem Werden; hervorgehoben wird, daß die Zahl der Mitglieder – vorwiegend ältere Arbeiter und Angestellte mit "Schrebergartenpraxis" – in einem allmählichen, gesunden Wachstum stetig zunimmt.

Die für eine ausreichende Lebensmitteleinfuhr nötigen 5 Milliarden. RM werden uns selbst bei guter Exportentwicklung nicht annähernd zu Verfügung stehen. Außer für das nötigste Brotgetreide müssen ja die Exporterlöse in erster Linie für die Rohstoffeinfuhr verwendet. werden. Der Hunger würde sich demnach verewigen, wenn uns die ausreichende, Erzeugung an Eiweiß und Fett aus eigener Scholle nicht gelänge, –

Würde die leistungsschwache Hälfte der Landwirtschaft auf die Erzeugungshöhe der leistungsstarken Hälfte gebracht werden, wäre die Ernährungslücke geschlossen und ein Volksmehreinkommen von alljährlich 5 Milliarden Mark erzielt, womit die Binnenwirtschaft zur Entfaltung gebracht werden könnte. Wir haben also theoretisch die Möglichkeit, Ernährung wie Industrie und Handel innenkolonisatorisch in Ordnung zu bringen. Es bleibt nur die Frage zu beantworten, wie dieses praktisch durchführbar ist.

Zwei Wege stehen offen. Der überwiegende Teil der Fachwelt will die nötige Erzeugungssteigerung im Rahmen der vorhandenen Landwirtschaft vollbringen; eine noch in der Minderheit befindliche Gruppe will dies durch eine Strukturwandlung der leistungsschwachen Hälfte der Höfe bewirken.

Zur Behebung der Not muß die am schnellsten zum Erfolg führende Lösung den Vorrang haben. Das ist, wie angenommen wird, die Erzeugungssteigerung auf, den vorhandenen Höfen. Voraussetzung hierfür wäre jedoch die Währungsform, da sich ohne geordnete Marktverhältnisse eine ausreichende Belieferung der Landwirtschaft mit Maschinen, Geräten und Düngemitteln mit bewirken ließe. Bis zur Währungsreform werden daher grundsätzlich alle Bemühungen zerfließen.

Ist aber die Währung (mit allen einengenden und belastenden Folgen daraus) geordnet, und haben wir dann die heute fehlenden Maschinen und Düngemittel, dann hat bei der stark gesunkenen Erzeugungskraft der Landwirtschaft, der schwachen Kaufkraft des verarmten. Volkes und den hohen Steuern und sonstigen Zeitlasten zumindest die leistungsschwache Hälfte der Höfe kein Geld, um die zur Erzeugungssteigerung nötigen Düngemittelmengen neben allem andern hohen Bedarf zu kaufen. Die Einnahmen dieser Höfe werden so gering sein, daß weder die Steuern, noch die nötigsten, Leute bezahlt werden können. Was vor 1933 schon nicht möglich war, wird unter den sehr viel härteren Umständen? nach der Währungsordnung noch viel weniger möglich sein.

Hinzu kommt der Leutemangel. Rund 50. v. H. der leistungsfähigen Jahrgänge der Bauern und Landarbeiter fehlen. Denkt man dazu die Flüchtlinge von den Höfen weg, die entweder eines Tages nach dem Osten zurückkehren oder sich in der auflebenden Wirtschaft ein besseres Auskommen suchen werden, so wären heute schon weit über 50 v. H. aller Höfe ohne Leute und damit nicht betriebsfähig. Die schwache Hälfte der Höfe – mit schwacher Entlohnung und schwacher Kost – wird naturgemäß zuerst ohne Hilfskräfte sein. Diese Hälfte ist, wenn Dünger und Leute fehlen, eben existenzunfähig, während die leistungsfähige Hälfte der Bauern ohne genügend Fachkräfte sich durch Tüchtigkeit und eigenen Fleiß der Familie wohl betriebsfähig halten, aber auch keine hohe Erzeugungssteigerung vollbringen kann. Denn diese bedingt einen vermehrten Arbeitsaufwand mit genügend tüchtigen Fachkräften, die aber fast völlig fehlen.