Wir bringen im folgenden einen Bericht über die Kölner Messe. Ohne auf "Köln"näher eingehen zu wollen, sei auf unsere Stellungnahme zur "Messeinflation" in der letzten Ausgabe der "Zeit" verwiesen.

Wenn Messen nur die Aufgabe hätten, Käuferund Verkäufer zu Geschäftsabschlüssen zusammenzuführen, wären die Messen, an denen wir heute keinen Mangel .leiden, verfrüht. Sie haben jedoch auch "unsichtbare Funktionen". Bei der Eröffnung der Kölner Herbstmesse, der ersten Kölner Messe – der Nachkriegszeit, war von allen Seiten darauf hingewiesen, worden, daß hier die Wirtschaftskreise die treibenden Kräfte waren, die die Messeleitung bestärkten und in jeder Weise unterstützten, eine Inlandsmesse durchzuführen.

Auf einer Fläche von ungefähr 10 000 qm zeigten etwa 500 Aussteller entsprechend 25jähriger Tradition der Messe vor allem Haus- und Küchengeräte, Wohnbedarf. Textilien, Kunstgewerbe, Lederwaren, Spielwaren, Bürobedarf, chemischpharmazeutische und kosmetische Artikel, in reicher und geschmackvoller Auswahl bei sehr übersichtlicher Aufteilung .. Obwohlder Besuch der Messe nur wirklichen Interessenten (und nicht den sogenannten Sehleuten) vorbehalten war, herrschte in den Ausstellungsräumen vom ersten Tage an zeitweise ein erheblichesGedränge. Die Besucher – etwa 60 000 an drei Tagen – kamen überwiegend aus West-, und Nordwestdeutschland, aber auch Süddeutschland und die französische Zone waren stark vertreten.

Die Aufgabe, alte Geschäftsbeziehungen wieder: aufzunehmen und neue anzuknüpfen, hat die Messe erfüllt. Geschäftsabschlüsse jedoch hätten mit den bekannten Schwierigkeiten zu kämpfen, Kontrakte gegen Mark waren naturgemäß gering. Viele Hersteller, Firmen, die sich nur "sehen lassen" wollten, konntennicht verkaufen, weil ihre Produktionvon Lieferungen für die Bergleute und für andere Stellen ganz in Anspruch genommen wird; allerdings hoffen sie, nach einigenMonaten ihren Kundenkreis ausdehnen zu können. In Branchen mit größerer Bewegungsfreiheit ist die Produktion bis Ende 1948 bereits verkauft. Lieferung. von Roh- und Halbmaterial in natura oder in Bezugscheinen war allgemein Bedingung. Kompensationen spielten eine große Rolle, wobei oft genugbetriebsfremde Materialien angeboten wurden.

Bei aller "Zufriedenheit"mit dem Verlauf der ersten Köln et Nachkriegsmesse wären, aucheinige Anregungenorganisatorischen Charakters zu hören. Manche. Aussteller vertraten die Meinung, daß noch zuviele"Sehleute" in den Hallen gewesen wären, und daß eine strengere Auswahl der ausstellenden Firmen der weiteren Entwicklung der Messe förderlich sei. Die Förderung nach einer Wesentlichen Verbesserung der Kölner Verkehrsverhältnisse sowie der Verpflegungs- und Unterkunftsmöglichkeitender Messebesucher wurde allgemein erhoben. J. S.