Kennen die Werke des Maschinenbaus in den beiden Westzenen noch weiteren Aderlaß durch Demontagen ertragen und gleichzeitig für die Aufgaben des europäischen Wiederaufbaus leistungsfähig bleiben? Diese Frage, durch die Demontage der Holmag in Kiel erneut aufgerollt, untersucht unser. westdeutscher Korrespondent an Hand der Zahlenunterlagen.

Nach dem alten Industrieplan war die gesamte jährliche Neuproduktion an Maschinen auf 1995 Milliarden RM beschränkt worden, d. h. sie sollte nur 39 v. H. der Produktion des Jahres 1938 (5 Milliarden RM), nur 59 v. H. der Erzeugung im Jahr 1936 (3,3 Milliarden RM) betragen. Von den Milliarden RM entfielen auf die Doppelzone 1,092 Milliarden RM. Der neue Industrieplan erhöht diese bizonale Produktion auf etwa 1,67 Milliarden RM. Da die zugestandene Kapazität im Schwermaschinenbau von 40 auf 65 v. H., im Leichtmaschinenbau von 67. auf 77 v. H. und im Werkzeugmaschinenbau von 12 auf 65 v. H. der gegenwärtigen Kapazität erhöht worden ist, – bleiben zur Demontage für die drei Kategorien 35, 23 und 35 v.H.

Im Wortlaut des neuen Industrieplans wird bei der Darlegung der Verhältnisse in der Maschinenindustrie die Forderung auf Demontage als Reparationsleistung ganz, besonders unterstrichen. Wie stellt es mit den Möglichkeiten? Wenn auch die genehmigte Produktionssteigerung für die Schwer- und Werkzeugmaschinenindustrie erheblich ist, so kann nicht übersehen werden, daß der alte Reparations- und Industrieplan die Erzeugung dieser Maschinenzweige über jedes erträgliche Maß hinaus; beschnitten hatte. Auch jetzt bleiben die zugelassenen Produktionsmöglichkeiten in der gesamten deutschen Maschinenindustrie hinter dem notwendigen Umfang weit zurück. Denn nach einer früher veröffentlichten Denkschrift des Wirtschaftsverbandes Maschinenbau (Düsseldorf) wurde die Mindestproduktion für alle vier Zonen (auf der Grundlage des Lebensstandards von 1932) mit 4,3 Milliarden RM berechnet; davon entfallen auf die Doppelzone etwa 2.4 Milliarden RM. Infolge des starken Kapazitätsabbaues in der Ostzone (einschließlich Berlin) und in der französischen Zone wird die Produktionsmöglichkeit in diesen Zonen statt mit 1,9 Milliarden RM nur noch mit höchstens 400 bis 500 Millionen RM anzunehmen sein, so daß die Differenz von 1,3 bis 1,4 Milliarden RM zu der erforderlichen Leistung der beiden: Westzonen hinzugeschlagen werden muß, die damit auf 3,8 bis 3,9 Milliarden RM steigt. Diese Erzeugungshöhe kann jedoch mit den vorhandenen Anlagen der Doppelzone nicht mehr erreicht werden, viel weniger mit einer vorgesehenen Wesentlich verminderten Kapazität. Die für Reparationszwecke geplante Demontage in der Doppelzone schaltet die Produktionsmöglichkeit für etwa 650 Millionen RM aus und schränkt die bereits heute auf 60 v. H reduzierte gesamtdeutsche. Maschinenbaukapazität auf weniger als die Hälfte der Vorkriegskapazität ein. Unter Berücksichtigung der in den beiden anderen Zonen demontierten Betriebe und der geplanten Demontage in der englischen und amerikanischen Zone könnte somit für die vier Zonen, deren wirtschaftliche Einheit doch, vorgesehen ist und angestrebt wird, insgesamt nur ungefähr die Summe produziert werden, die in dem alten Plan enthalten war (1,95 Milliarden RM). Damit kann nicht der zugesicherte Lebensstandard in einem einheitlichen deutschen Wirtshaftsraum gewonnen werden.

Die für die Doppelzone zugelassene Produktion genügt kaum, um hier den laufenden Ersatzbedarf zu decken, so daß also für den notwendigen Ausbau der in den beiden Zonen nicht ausreichend vertretenen Maschinenbauzweige, für den angestauten Wiederaufbaubedarf und den wichtigen Export keine Kapazität mehr zur Verfügung steht... Es kommt hinzu, daß die Kapazitätsberechnungen auf der Grundlage von Vorkriegsverhältnissen Irrtümer enthalten. Die Relation, zwischen, Maschinenbedarf und der übrigen Wirtschaft ist nicht die gleiche wie vor dem Krieg, da der Bedarf von Produktionsgütern, also auch besonders von Maschinen, u. a. infolge der Zerstörungen wesentlich höher ist und mit Vorrang befriedigt werden muß, um die Grundlagen der Wirtschaft wieder herzustellen. Die Beschlagnahme von-sog. Engpaßmaschinen in vielen Fabriken, die nicht aufgehört haben, beeinträchtigen, neben vielen anderen Gründen, die Gesamtkapazität, die in Wirklichkeit geringer angenommen werden muß, als sie im Plan festgelegt worden ist.

Ständig wird die Notwendigkeit und die Steigerung des deutschen Exports betont, in dem die Maschinenindustrie immer eine sehr wichtige Säule war. Wie aber verträgt sich die Forderung nach der Erhöhung der Maschinenausfuhr über den Vorkriegsstand mit der beabsichtigten erheblichen Demontage? Die von deutscher Seite errechnete Mindestproduktion von 4,3 Milliarden RM ging von einem sehr niedrig angenommenen Maschinenexport in Höhe von (zunächst) 600 Millionen RM aus, während er in den Jahren 1928/29 mehr als das Doppelte betrug und im Jahr 1936 über 600 Millionen RM lag. Demontage gefährdet die Exportfähigkeit der deutschen Maschinenindustrie und damit auch die Von Deutschland verlangten Beiträge zum Wiederaufbau Europas im Sinne des Marshall-Plans.

Die Revisionswünsche der Maschinenbauindustrie sind nur zu einem Teil erfüllt; worden. So hat man auch die Bestimmungen des alten Plans über die Kugellagerherstellung nicht aufgehoben oder auch nur gemildert, obwohl Kugellager notwendige Bauteile für alle Zweige des Maschinenbaues sind. Es ist vielmehr bei der drosselnden Bestimmung geblieben, eine beschränkte Produktion nur noch solange zu gestatten, bis die Einfuhr möglich wird. Das Ausland ist kaum lieferungsfähig und Deutschland hat keine Devisen übrig, um derartige. Lieferungen größeren Umfangs zu bezahlen.

Wenn die frühere starke Einschränkung der Maschinenproduktion schon deswegen revidiert werden mußte, um den ganzen; Plan in sich abzustimmen, so liegen die Verhältnisse nach dem neuen Plan nicht viel anders. Aus allen diesen Erwägungen ist der Hauptvorstand des Wirtschaftsverbandes Maschinenbau der auch von den süddeutschen Maschinenbauverbänden vertretenen und selbst von Ausländern geteilten Auffassung, daß alle weiteren Demontagen unterbleiben müssen, bis die festgelegten Produktionsziele für alle Zonen tatsächlich erreicht sind. J. Sch.