Richard Billinger hat in seiner Arbeitspause am Starnberger See ein neues Schauspiel geschrieben, den "Zentaur". Da verliebt sich Rosa, die Enkelin des Schmiedes Leonhard, in einen "Roßmann" tief im Walde, der durch die Liebe getrieben wird, unter die Menschen zu gehen. Das Mittel, den Tiermenschen zum Mann zu verwandeln, besitzt der Schmied: ein runenverziertes Messer, mit dem er – wie er es Rosa einst erzählt hat – den Zentaur aus der Tierhaut herausschneiden könne. – Hier folgen Szenen aus dem Anfang des Schauspiels: Bei Rosa befindet sich Hilaria, die ausgediente Hebamme, die zur Magd Zilli gerufen wurde. – ("Der Zentaur", ein Schauspiel fünf Aufzügen, ist im Verlag Kurt Desch, München, erschienen.)

Hilaria: Wann du mich brauchst, dir helf ich. Mußt gar nicht dann dem Schmerz viel Ächzer geben. – Wie ’s Lüfterl, so locker, hol’ ich dir ’s Herrgottl. – Wer ist’s nachher, dem du ’s Zittern schenkst? A Schöner, Junger, Herzprotzeter, han?

Rosa: Ist gar kein richtiger Mensch, Hilaria!

Hilaria: Was denn? Der Klaubauf etwa gar? Der wild’ Jager oder der Waldschnauf, der mit dem roten Knebelbart? Bist ja selber eine, bei der ’s Taufwasser nix genützt hat. die keine Heilige als Beisteherin hat. Hat’s bei dir zu der Seel’ – mein’ ich, sagen d’ Leut – nicht g’langt.

Rosa (schreit weh getroffen auf): Ist nit wahr! Kann ’s Beten! Hab’ zur Namenspatronin die heilige Rosa. Tunk’ den Finger jeden Tag ins Weihbrunnbecherl! Mach’ auf d’ Stirn, schau her, auf den Mund, schau, und auf die Brust, wo das Herz wohnt, das Kreuzeszeichen. – Du bist die alt’ Hex; betest, zum Teufel!...

Hilaria: Also welchen?

Rosa (stockend): Er ist –, er kann eines reich machen. Soll der Baum voller Apfel es schier nimmer dermachen, die Hennen zwei Eier im Tag legen, der Halm draußen auf dem Acker die Körndel wie die geraubten Beutelgulden tragen, so hängvoll! Und die Nachbarn, die merken auch was lauft denen das Unkraut aus dem Acker Und muß der Sommer aus der Regennäss’ wie aus den unsauberen Windeln hupfen, mit dir tanzen. Wann ’s dich versteckst, dann siehst ihn vielleicht auch. – Hat ja keinen Leib so wie der Mensch – ist zu Halbscheid a Roß. Jetzt weißt du’s, Hilaria. So einer ist er.