Es ist nun schon eine geraume Weile her, seit die Todesbomben auf Hiroshima und Nagasaki und seit die Versuchsbomben auf das Meer bei dem Bikini-Atoll fielen. Aber noch immer sind Männer der Wissenschaft damit beschäftigt, die Auswirkung gen der durch die Atombomben ausgelösten radioaktiven Strahlen zu verfolgen. Und sie werden noch lange damit beschäftigt sein. Damals schon, als die ’Amerikaner Gelegenheit hatten, die Stadt zu betreten, die mehr als hunderttausend Bürgern Gräber hatte bereiten müssen, fanden sie, daß viele Überlebende des Bombenangriffs Gesichter hatten, die für immer entstellt warerl. Die amerikanischen ’Ärzte nannten diese Verzerrung die "Maske von Hiroshima". Heute beginnt sich diese Maske mehr und mehr zu lüften. Eine entsetzliche Wirklichkeit tritt zutage. Und Skeptiker, die nach den Bomben-Versuchen von Bikini meinten, es sei alles offensichtlich nicht so schlimm, werden allgemach, eines besseren, nein, eines Schlimmeren belehrt.

Dem Weizen allerdings, der Hirse und dem Kür- bis – so wird aus der Gegend von Nagasaki gemeldet – ist die Atombombe gut bekommen: sie bringen seither doppelte Erträge. Ist dies nicht fast; Wie der Witz Shakespeares am Rande des Grausigen? Und erst die Baumwolle!Während beobachtet wurde, daß viele Menschen in Hiroshima mit einem Schlage die Haare verloren, wächst die Baum-Wolle dreifach über das gewählte Maß hinaus. Durchaus hintergründig aber ist, wie der Reis auf die Strahlungen der Atombombe reagierte: er Wächst seither besonders gut auf den Feldern um Nagasaki, aber er trägt keine Frucht.

Wohlverstanden: Diese Beobachtungen sind keine Hirngespinste, keine Schauermärchen. Und die Atomforscher, zu derlei Seltsamkeiten befragt, bestätigen sofort, daß sich – um es so einfach zu sagen, obwohl es nicht einfach ist – unter hochgradig radioaktiven Strahlen die Natur verändert. Der Kürbis freilich hat nur einen Schock bekommen, der sich, positiv auswirkte. Aber die Menschen?

Fünf Kilometer im Umkreis von Hiroshima wurde ein Drittel der männlichen Überlebenden steril. Viele haben bösartige, lebensgefährliche Erschöpfungskrisen durchgemacht, alle sind weit über ihre Jahre hinaus gealtert – die "Maske von Hiroshima" Ursache dieses Verfalls ist die wissenschaftlich absolut erkannte Tatsache, daß eine Änderung in den Genen eintritt, also in den Trägern der Erbanlage! So ist es möglich, daß in den Kindern eine vererbbare Eigenschaft auftritt, die die Eltern noch nicht besaßen, kurz, eine echte Mutation. Schon sind mißgestaltete Kinder gehören worden, die das Brandmal des Bombenangriffe auf der Stirn trugen. Man hörte von einem Kinde, das wenige Monate nach seiner Geburt schon einen Meter groß war, von anderen, daß sie überhaupt nicht wuchsen. Die Japaner sagen, sie hätten sogar zweiköpfige Kinder gesehen, und die Gerüchte geben fast Gewißheit, daß solche groteske Nachkommenschaft, die der Phantasie eines Hieronymus Bosch entsprungen sein könnte, von den wohl noch mehr gepeinigten als verrohten Eltern umgebracht worden sei. Und zu alledem sagen die Wissenschaftler, dies sei nicht Narrentrug, sondern Wirklichkeit oder wenigstens Möglichkeit.

Welch ein Bild steigt herauf für die Zeit, da Atombomben künftige Kriege entscheiden –I Für eine Zeit, da nicht nur Trümmer übrigbleiben! Während die Reisfelder wuchern und nicht tragen, Während der Weizen blüht, während vielleicht eine neue Flora entsteht, kriechen und lallen groteske menschliche Mißgeburten einher, eine verkommene Menschheit des Atomzeitalters, verblödet, weil sie zu klug geworden war ...

Ob die Wissenschaft, die solche Schreckbilder malt, die Politik Wird bewegen können, zu erwägen, was Lord Rüssel meinte, als er kürzlich in Amsterdam sagte, ohne eine Einigung über die Atomkontrolle sei der dritte Weltkrieg unvermeidlich? M.