Wie der Vorsitzende der dänischen Fischerei-Vereinigung erklärte, mußten in diesem Sommer viele tausend Tonnen Fische vernichtet werden, da es an Absatzmöglichkeiten fehlte.

Wenn die Fischversorgung in den Westzonen auch nur auf dem gegenwärtigen Stand bleiben soll, müssen laufend bedeutende Mengen an Fisch eingeführt werden. Die Weltmarktlage ist durchaus günstig. Die Fischerei hat seit dem Ende der Kampfhandlungen überall da, wo sie im Aus-1: treten ist, einen bedeutenden Aufschwung gekommen, der sich zum Teil aus der jahrelangen Schonung der Fischgründe während des Krieges erklärt. Die günstige Lage auf den internationalen Fischmärkten spiegelt sich auch in der großen Zahl von ausländischen Angeboten an Deutschland wieder. Allein die beiden Regierungsangebote, aus Norwegen über 47 000 t und aus Dänemark über 23 500 t, lieferbar in der zweiten Hälfte 1947, könnten eine bedeutsame Ergänzung der deutschen Fischversorgung bringen. Außerdem hat Island sich zu Lieferungen nach Deutschland bereiterklärt.

Außer diesen offiziellen. Angeboten liegen weit über hundert private Angebote aus allen Fischerei treibenden Ländern vor. Täglich kömmt mindestens ein neues, Angebot herein. Sämtliche Sorten Fische und Fischwaren sind vertreten. Selbst die Türkei möchte Thunfischkonserven liefern, und Kanada zeigt ebenfalls ein bedeutendes Lieferungsinteresse. Unter diesen privaten Angeboten läuft allerdings manches Erzeugnis mit, dessen Einfuhr unter den gegenwärtigen Verhältnissen kaum befürwortet werden kann. Daneben liegen aber auch zahlreiche Angebote an Frischfischen und vor allen Dingen an Heringen vor, deren Einfuhr auch bei strengster-Beurteilung der gegenwärtigen Lage zu beenden ist. Bei einem beachtlichen Teil dieser Angebote sind auch Vorschläge für Gegenlieferungen gemacht worden, so daß sich hier bereits ein fruchtbringender Gegenseitigkeitsverkehr entwickeln könnte.

Alle Initiative von deutscher und von ausländischer Seite hat aber bis jetzt noch zu keinem Abschluß geführt. Die Ursache liegt darin, daß keine "tragbaren" Zahlungsbedingungen festgelegt werden können. Seitens der Besatzungsmächte wünscht man, daß die Fischausfuhrländer ihre Lieferungen kreditieren – bis die Zahlungsfähigkeit Deutschlands wiederhergestellt ist. Die Länder sind grundsätzlich zur Kreditgewährung bereit, aber wollen sich nur auf feste Zahlungstermine einlassen. Das Bedürfnis dieser Länder an deutschen Waren aller Art ist auch groß genug, um eine Abdeckung der Kredite in angemessener Zeit sicherzustellen. Die deutschen Bewirtschaftungsstellen hatten gehofft, daß während der gegenwärtigen deutschen Heringsfangsaison auch zusätzlich Frischfische eingeführt würden. Man erstrebte so wenigstens ehe kleine. Lagerreserve zu schaffen. Die deutschen Heringsfänge sind immer eine wichtige Grundlage der Fischversorgung im – Winter gewesen. Statt dessen müssen jetzt die gesamten Anlandungen zur laufenden Bedarfsdeckung herangezogen werden. Die erwünschte größere Beweglichkeit in der Disposition ist nicht möglich geworden; vielmehr werden wir weiter mit einseitigen Zuteilungen und, im kommenden. Winter, mit stoßweisen Anlandungen rechnen müssen. pl.