Zur Unterbringung der nach Frankfurt übersiedelnden Angestellten der bizonalen Zentralorganewurde ein umfangreiches Bauprogramm ausgearbeitet, Seine Durchführung macht jetzt, nachdem die Anlaufsschwierigkeiten überwunden sind, Fortschritte. An 35 Baustellen sind zur Zeit 4800 Bauarbeiter beschäftigt, darunter 1000 Häftlinge aus dem Internierungslager Darmstadt. Weitere 1200 bis 1500 Bauarbeiter will man noch heranholen. Aberauch damit wäre die anfänglich vorgesehene Zahl von 8000 noch nicht erreicht. Das ist aber schon deshalb nicht möglich, weil es an Transportmitteln fehlt, um so viele Menschen und das entsprechende Material an die Arbeits- und Lagerplätze heranzubringen.

Das Bauprogramm sieht vier Etappen vor: die Instandsetzung von Wohnungen, die von der Besatzungsmacht freigegeben wurden, den Bau neuer Häuser, die Wiederherstellung zerstörter Wohnungenund den Ausbau von Bürohäusern, Hotels, Garagen und Lagerplätzen. Die Instandsetzungsarbeiten sind zur Zeit in der Siedlung Neue Heimat (Sachsenhausen)und inder sogenannten Römerstadt, einer in den zwanziger Jahren von dem bekannten Architekten Ernst May erbauten Siedlung am Nordrand der Stadt, am weitesten fortgeschritten. Auch in den Wohnblocks der Süwag (Sachsenhausen) sind solche Arbeiten im Gange. Dort wurden in den bereits reparierten Wohnungen vor allem die Telefonistinnen, die zur Verstärkung des Telefondienstes nach Frankfurt geholt worden waren, in boardinghausähnlichen Unterkünften untergebracht. Weitere Wohnungen werden in dreigeschossigen Häusern bei Westhausen hergerichtet und etwa 300 in der Nähe des Stadtteils Riederwald (beides an der Peripherie der Stadt).Außerdem sollen etwa 1500 zerstörte Wohnungen in zentraler Lage bewohnbar gemacht werden, daß bedeutete dann, daß insgesamt mit den vorgesehenen Neubauten etwa 4500 Wohnungen hergestellt sein werden.

Die Neubauten werden an den Nord- bzw.Westrand der Stadt verlegt, in baureif erschlossenes Gelände, so daß die Vorteile einer gesunden und landschaftlich schönen Wohnlage mit den Bequemlichkeiten städtischen Wohnens (Kanalisation,Verkehrsmittel,Telefonanschlüsse usw.) verbunden sind. Man ist bestrebt, die Neubauten in der Form von Reihensiedlungen unter weitgehender Berücksichtigungdes Landschaftsbildes auszuführen, so daß die schönen Ausblicke auf den Taunus, in der Siedlung bei Bonames, nicht verbaut werden Für diese Siedlungsbauten werden Einfamilien-Montage-Holzhäuser verwendet. Jedes ist unterkellert, hat etwa 40 Quadratmeter Grund- und 80 Quadratmeter Nutzfläche, einen Wohnraum, Küche und-Badezimmer im Erdgeschoß und zwei bzw. drei Räume im Obergeschoß. Die Herstellungskosten eines solchen Hauses betragen etwa 15 000 Mark. In diesem Preis sind sämtliche Spesen, auch die fürdie Herrichtung des Baugeländes, eingeschlossen.

Die Arbeiten gehen rasch vonstatten. Erst vor drei Wochen hatte man an der Baustelle bei Bonames begonnen, mit einer Planierraupe den Boden zu ebnen. Wenige Tage später schon hob ein Bagger das Erdreich für die Fundamente aus, und nun rattert bereits emsig die Zementmischmaschine. In kurzer Zeit werden die aus Bayern herangeführten zusammenstellbareneinzelnen Teile der Häuser zusammengefügt und auf die Fundamente gestellt werden. 500 solcher Häuser werden bei Bonames am Nordrand der Stadt, 339 weitere am unteren Teil der Mainzer Landstraße, also am Westrand von Frankfurt, aufgestellt. In ihrer Form recht, gefällig, passen diese Montagehäuser natürlich doch nicht in das zentrale Bild der Stadt, weshalb man sich dann entschlossen hat, sie an die Peripherie zu verlegen. Diese Lösung stellt ein Provisorium dar, das aber, wohl von langer Dauer sein wird, und vielleicht mancher anderen Stadt als Vorbild zur Lösung der Wohnungsnot dienen wird.

Solange nichtausreichender Wohnraum geschaffen ist, müssen die Angestellten des bizonalen Apparates ohne ihre Familien nach Frankfurt ziehen. Für die Unverheirateten werden u. a. auch zwei Hotels hergerichtet, das Hotel "Savoy" beim Hauptbahnhof und ein Privatpalais in der Taunus-Anlage, das, mit allem modernen Komfort ausgestattet, aber den Raum mit rationeller Sparsamkeit nutzend, sehr elegant kabinenartige Unterkünfte bieten soll. Die Ausstattungder Wohnungen mit Möbeln bereitet der Stadt große Schwierigkeiten, denn nur 40 v. H. der Neuhinzuziehenden bringt eigene Möbel mit; den übrigen 60 v. H. müssen sie von der Stadt gestellt werden. Was das angesichts der Materialnot bedeutet, bedarf keiner Erwähnung. Dazu kommt, daß auch die früher bewohnten Häuser in einem sehr devastierten Zustand übergeben wurden und daß in den meisten Wohnungen so ziemlich alles fehlt, was nicht niet- und nagelfest war, also auch Fensterscheiben, Türen, Gas- und Wasserleitungshähne.

Der finanzielle Träger der Bauaktion ist die von der Stadt Frankfurt gegründete Aufbau-AG., die aber weder Bauunternehmer noch Bauherr ist, Sie vergibt lediglich die Aufträge an andere, in der Regel an gemeinnützige Wohnbaugenossenschaften, die Eigentümer und damit später Vermieter der Häuser werden. Die Kosten der gesamten Bauaktion werden von dem Finanzdirektor der Aufbau-AG. mit rund 100 Millionen Mark beziffert.

Den Bauarbeitern, die sich für die Arbeit gemeldet haben (es sind größtenteils Auswärtige) werden besondere Vergünstigungen gewährt. Sie erhalten ein zusätzliches markenfreies Mittagessen im Werte voll ungefähr 1200 Kalorien, ein Vorteil, der auch den Arbeitern aus dem Darmstädter Internierungslager zugebilligt wird. Sie bekommen Arbeitskleidung und Schuhe und eine zwanzigprozentige Lohnerhöhung gegenüber anderen Bauarbeitern. Die ehemalige Gutleut-Kaserne, wo 2000 Bauarbeiter in sauberen Massenquartieren untergebracht sind, ist der Stützpunkt’für die Betreuung: Dort gibt es einen großen Saal für Veranstaltungen, eine geräumige Kantine, in der täglich 2500 Portionen ausgegeben werden (da es an Thermophoren fehlt, müssen viele Arbeiter von ihren Bauplätzen zum Mittagessen in die Gutleut-Kaserne kommen). Dort sind ein Krankenrevier und ein ärztliches Ordinationszimmer eingerichtet, Flick-, Schuster- und Frisierstuben, kurz ein gut ausgebauter, wohldurchdachter Betreuungsapparat. Von den Arbeitern mußte anfangs freilich ein beträchtlicher Teil wieder eliminiert. werden, denn, angelockt durch die günstigen Arbeitsbedingungen, hatten sich auch kriminelle Elemente gemeldet, die dann Diebstähle begingen oder das ihnen anvertraute Gut (Decken, Schuhe usw.) auf dem Schwarzen Markt verschoben. Die Arbeitsmoral ist im allgemeinen, wie der die medizinische Betreuung leitende Arzt auf Grund der Krankmeldungen beobachtete unter den älteren Arbeitern besser als unter den jüngeren.

Der Gesamteindruck, den man bei einer Besichtigung der Hauptbaustellen erhält ist gut. Trotz großer Schwierigkeiten werden die gesteckten Ziele mit Energie angestrebt, und auch die Militärregierung, die anfangs scharfe Kritik geübt hatte, ist nun mit den Resultaten der bisherigen Arbeit zufrieden.