Die dem neuen Industrieplan zugrunde liegende Konstruktion ist bisher noch nicht genügend beleuchtet worden. Hier werden von einem ausgezeichneten Kenner der Materie, Senator G. W. Harnissen, Bremen, mit Zahlenbegründung einige Zweifel aufgerollt: an der volkswirtschaftlichen Richtigkeit der Ausgangszahlen und an der Durchführbarkeit der Demontagen vor dem Hineinwachsen der Produktion in den verbliebenen Apparat, die General Clay soeben als erwünscht und zweckmäßig bezeichnete.

In der Doppelzone soll eine Kapazität von rund 100 Prozent des Jahres 1936 erhalten bleiben, damit bei 40 bis 42 Millionen Menschen im Jahre 1950 auf den Kopf eine Produktion von 75 v. H. des Jahres 1936 entfallen kann. Das Ziel scheint also zu sein, im Gegensatz zum Potsdamer Plan, der einen mittleren europäischen Standard vorsah, dem deutschen Volke eine Lebenshaltung in Höhe von drei Vierteln des Jahres 1936 zu bieten.

Sämtliche vier Zonen zusammengerechnet besitzen zurzeit noch eine industrielle Kapazität von rund 62 v. H. des Jahres 1936. Man kann also nicht mehr mit 75 v. H. der Produktion oder des Lebensstandarts. für das Reich rechnen. Das steht nach den Demontagen im Osten und in der französischen Zone außer Zweifel.

Fragwürdig, wie die Erhaltung von 75 v. H. der Lebenshaltung des Jahres 1936 ist, so wäre dies eine zu schmale Basis, für die Produktion und kaum eine Verbesserung gegenüber dem Potsdamer Plan. Will man eine Steigerung der Produktion, so ist eine echte Erhöhung des Lebensstandards notwendig. 75 v. H. reichen nicht aus, um jemals das Defizit wettzumachen, das Krieg und Nachkriegsepoche allein in bezug auf Wohnung, Kleidung und Ausstattung gerissen haben.

Werden die weiteren Demontagen in dem erschreckenden Umfange durchgeführt, wie sie der Plan vorsieht, dann kann die Doppelzone nicht darauf hoffen, sich selbst zu erhalten. Sie behält dann nämlich weit weniger, als sie für die Erringung des zugebilligten Lebensstandards braucht. Sie kann dann nicht nur ihren Nachholbedarf niemals befriedigen, sondern wird unter keinen Umständen einen Export, entsprechend der notwendiggen Einfuhr, bewältigen können. Die Ausfuhr erfordert systematische Umstellungen der Industrie auf andere Erzeugnisse als früher gefertigt. Diese Umstellungen gehen auf Kosten der Produktion, setzen also höhere als normale Kapazitäten voraus.

Der neue Plan arbeitet mit Umsatzzahlen aus den verschiedenen Industriesparten, d. h. mit sogenannten Bruttoproduktionswerten. Damit läßt sich kein Maßstab für eine Kapazität finden. Sie enthalten nämlich Doppel- und Dreifachwerte. Die Umsatzzahl des Kühlmaschinenfabrikanten A mit 500 RM enthält z. B. auch die Rechnungswerte für die Lieferungen seines Motorenfabrikanten B mit 150 RM, seines Armaturenlieferanten C mit 50 RM, seines Gehäusepressers. D mit 50 RM usw. Alle vier Unternehmen figurieren u. U. im Maschinenbau. Es ist nur ein Fabrikat von 500 RM entstanden, aber es wirken daran vier Teilkapazitäten mit, die von der Statistik der Bruttoproduktionszahlen auf 750 RM addiert werden, statt mit 500 Reichsmark an Produktion zu rechnen. Schneidet man nun die für den Maschinenbau festgelegte Demontagequote von 27 v. H. ab, so

verliert A an Kapazität RM 135,00