Der Vergleich zwischen der Lage in Europa und Ostasien liegt nahe. Europa wie Ostasien sind geteilt durch den Eisernen Vorhang – läuft er auch im ersten Fall von Nord nach Süd und im zweiten Fall von Ost nach West –, beide bilden Schauplätze in der weltweiten Auseinandersetzung USA – UdSSR. Brennpunkt in Europa ist seit Verkündung der Truman-Doktrin Griechenland, im Fernen Osten China. Die Ähnlichkeit zwischen der Lage in diesen beiden exponierten Staaten ist augenfällig.

Hier wie dort sitzt eine rechtsstehende, als "reaktionär" bezeichnete Regierung recht unsicher im Sattel, hier wie dort versucht eine kommunistische Opposition – unterstützt durch die Sowjetunion – – mit Waffengewalt die Macht an sich zu reißen, hier wie dort schließlich drohen die "Aufständischen" mit der Bildung einer "freien demokratischen" Gegenregierung. Ein bedeutungsvoller Faktor aber unterscheidet Griechenland von China: Griechenland ist durch den amerikanischen Präsidenten zum Eckpfeiler der westlichen Welt in der Auseinandersetzung mit der Sowjetunion erklärt worden, was einen Dollar-Kredit zur Finanzierung von Lebensmittel-, Waffen- und Maschinen-Lieferungen zur Folge hatte. China dagegen wartet noch immer darauf, durch einen "Marshall-Plan für Ostasien" in das Programm der amerikanischen Außenpolitik einbezogen zu werden, durch das ein weiteres Vorbringen der Sowjetunion "eingedämmt", werden soll;

In der Tat scheinen die USA gegenwärtig von einer wirksamen Unterstützung der chinesischen Zentralregierung weiter entfernt zu sein als je zuvor. Mehr noch: "Unter dem Druck der Ereignisse im Fernen Osten", wie eine amerikanische Zeitung es kürzlich ausdrückte, "verlagert sich der Schwerpunkt der amerikanischen Fernost-Politik allmählich von China nach Japan." Diese Feststellung ist weder neu noch überraschend für jeden, der die Entwicklung im Fernen Osten seit 1945 aufmerksam verfolgte.

Als China 1945 siegreich aus dem achtjährigen Krieg mit Japan hervorging, war ihm die Möglichkeit geboten, als eine der fünf Großmächte die führende Rolle in Ostasien zu übernehmen; Die Epoche der japanischem Vorherrschaft war vorüber, Japan als besiegtes und besetztes Land von der politischen Bühne für längere Zeit – so mußte man annehmen – ausgeschlossen. China hatte sich, wenn, nicht durch seine militärischen Erfolge, so doch durch seinen zähen Widerstand die Anerkennung der alliierten Welt erworben. Die Erstarkung Chinas entsprach, offenbar auch durchaus den Zielen der amerikanischen Fernost-Politik. Wenn nach der Niederlage Japans die Neuordnung Ostasiens nach demokratischen Gesichtspunkten eines stabilisierenden Faktors bedurfte, so konnte dafür niemand besser: berufen sein als Amerikas traditioneller Freund und Waffengefährte.

Chinas innere Zerrissenheit hat diese Pläne vereitelt. Eier innenpolitische Kampf zwischen Zentralregierung und Kommunismus, der den Krieg mit dem äußeren Feind ablöste, blieb nicht eine innere chinesische Angelegenheit, die er seit zehn Jahren gewesen war, sondern entwickelte sich zu einem Brandherd, der das ohnmächtige Land – in den Strudel der Auseinandersetzung zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion hineinriß. Die amerikanische Politik bemühte sich zunächst im eine Neutralisierung des chinesischen Bürgerkrieges. Dieser Versuch des damaligen Sonderbevollmächtigten und jetzigen Außenministers Marshall scheiterte an der unnachgiebigen Haltung der Kommunisten, ebenso wie an der inneren Schwäche des Kuomintang-Regimes, dessen, "alte Garde" sich einem Verzicht auf ihre Macht und ihre Pfründe widersetzte.

Marshall entschloß sich damals, China zu verlassen, um Tschiangkaischek freie Hand zu geben, mit militärischen Mitteln die Kommunisten niederzuzwingen. Gleichzeitig aber machte er die so dringend benötigte und erhoffte finanzielle Unterstützung für die Zentralregierung von einer Reihe – von Reformen abhängig, durch die Tschiangkaischek die Verwaltung, Währung und Wirtschaft auf eine feste Grundlage stellen sollte.

Tschiangkaischek ist es nicht gelungen, Ordnung – im eigenen Haus zu schaffen. Trotz einzelner positiver Ansätze hat der Prozeß der inneren Auflösung der Staatsgewalt sich fortgesetzt. So hat sich China für die Rolle eines stabilisierenden Faktors als ungeeignet erwiesen. Das State Department in Washington stand vor dem gewiß nicht leichten Entschluß, eine andere Lösung des ostasiatischen Problems zu suchen. Japan soll, so scheint es, zum Stützpunkt’ der amerikanischen Ostasienpolitik ausgebaut werden. Der Erfolg der amerikanischen Besatzungspolitik unter General McArthur, die vorherrschende und gefestigte Stellung der USA in Japan, schließlich die sich daraus ergebende Möglichkeit, den japanischen Friedensvertrag baldmöglichst unter Dach und Fach zu bringen – notfalls ohne die Sowjetunion – wären sehr günstige Ansatzpunkte, die das State Department für seine Politik in Rechnung stellen könnte.