Eine Bremer Uraufführung

Das Bremer Künstlertheater, in dem jetzt Gillis von Rappard als neuer Hausherr regiert, reichte seinen Freunden eine bunte Schale herbstlicher Uraufführungen-Früchte, die äußerlich als Schwank, Komödie und Tragikomödie leuchteten, innerlich aber, trotz der langen Sommersonne, nicht voll ausgereift waren. Nach Röslers "Verführerin" und Marivaux "Spiel um Liebe und Zufall" bemühte sich der bekannte Lustspiellibrettist Ernst Nebhut mit seiner Komödie "Der Teufel stellt Monsieur Darcy ein Bein" um die Gunst des Publikums, das es ihm im früheren Neuen Theater (das kürzlich nach seinem künstlerischen Zusammenbruch vom Künstlertheater übernommen wurde), besonders schwer machte. Gewiß, es sei zugegeben, daß Walter Jokisch (Regie und Titelrolle) mit Ensemblesorgen zu kämpfen hatte. Trotz alledem sei nicht verheimlicht, daß der Teufel auch dem Autor, der sich auf das glatte Pflaster der Charakterkomödie begab, ein Bein stellte. Leider blieb seinem Stück, das eine Handvoll gutgehobelter Rollen aufweist, lediglich der schlagende, allerdings negativ demonstrierte Doppelbeweis, daß das Komische auf der Bühne das Schwierigste – der Gipfel der Theaterkunst, aber die Synthese zwischen Tragik plus – Komik ist. Darcy, ein kleiner Bankbeamter, hat sich in der schwülen Atmosphäre einer Pariser Seine-Spelunke verloren. Bevor er sich um Mitternacht der Verantwortung entzieht, gibt ihm der Teufel die Chance, diesen Tag noch einmal zu erleben. In vier weiteren Bildern, in denen oftmals auf der Stelle getreten wird, führt der Teufel Darcy zur Erkennt-Bis seiner Handlungsunfreiheit, die in dem Satz gipfelt: "Ich habe eine Heidenangst vor mir selbst." Leider ließ Nebhut, der zu Beginn surrealistische Perspektiven öffnet, die Frage offen, warum er ein banales Happy-end an den Schluß klebte ...

Als Endsumme läßt sich nur eine unglückliche Mischung von Surrealismus, Determinismus und Kriminalismus quittieren, die eine erschreckend tiefe Kluft zwischen Molière und der heutigen Komödiendichtergeneration offenbart.

Kurt Reuter