Der amerikanische Publizist Walter Lippmann und sein Kampf für bewaffnete Demokratie

Von Johann Albrecht v. Rantzau

"In der Führung der auswärtigen Staatsgeschäfte scheinen mir die demokratischen Regierungen den anderen entschieden unterlegen,"

Tocqueville: Über die Demokrat! in Amerika, 1839.

I.

Wir Deutschen. die wir inmitten einer aus einleuchtenden Gründen überwiegend feindseligen Umgebung uns den Willen zur Erhaltung unseres Volkes bewahren, die wir eine unabhängige Verwaltung im Inneren und, im Rahmen der späteren europäischen Möglichkeiten, auch eine selbständige Vertretung unserer Interessen nach außen erstreben, dürfen keine Anstrengung scheuen, uns von den wirkenden Kräften und den elementaren Tatsachen der politischen Gegenwart ein klares Bild zu verschaffen. Kann man aber bei aufmerksamer Verfolgung unserer offiziellen Verlautbarungen und politischen Diskussionen behaupten, daß die Auseinandersetzung mit den aktuellen Problemen sich genügend wirklichkeitsnah voll-Sieht? Leider nein! Im Gegenteil, die öffentlichen Äußerungen werden überall in Deutschland sehr wo. Schaden der Demokratie jetzt genau so von einer Ideologie diktiert, wie dies bei den lächerlichen Bekundungen des Volkswillens im Dritten Reich der Fall war? Der nationalsozialistische Irrwahn verfälschte die Politik, indem er sie einseitig militarisierte, die demokratische Lehre aber lief Von jeher Gefahr, durch Beschönigung der die Welt beherrschenden Gegensätze zu sündigen. Die jetzt offiziell proklamierte Ideologie behauptet wenn auch, auf eine summarische Formel gebracht, daß infolge der Demokratisierung der Welt politische Interessenkonflikte im Inneren sich auf verfassungsmäßigem Wege regeln, ferner, daß bewaffnete Zusammenstöße aus der Außenpolitik verschwinden oder doch eigentlich verschwinden haßten!

Eine solche optimistische Anpreisung der Demokratie, die zumal von den außenpolitischen Tatsachen so offenkundig Lügen gestraft wird, ist Wenig geeignet, den eingewurzelten deutschen Argwohn zu zerstören, ein Bekenntnis zur Demokratie sei nur eine von Heuchlern oder Schwachköpfen nachgebetete Phrase. Auch kann sie, was noch schädlicher ist, nichts dazu beitragen, das deutsche Denken von jenem plumpen Machavellis. mus zu befreien, der zu Unrecht sich auf Bismarck, mit Recht sich auf Hitler und seine alldeutschen Vorläufer beruft und der zur Stunde in ebenso anmaßender wie unserem Interesse abträglicher Weise in den Gegensatz zwischen den vor Moskau, geleiteten östlichen und den von Washington, London und Paris vertretenen westlichen Demokratien hineinreden möchte! Dieser verhängnisvolle Massen-Machiavellismus kann aber seinen Einfluß nur Verlieren, wenn in breiten Schichten unseres Volkes die Überzeugung erstarkt, daß in den Demokratien des Westens sich wirklichkeitsnahe, kraftvolle Politik mit humanitären Grundsätzen verbindet oder daß diese Verbindung mit einem gewissen Erfolg angestrebt wird.