Hein tes Hofi" "der 27 ährigt: "areifal unter den Boxern, hac den 39jähngen Waltet Neusei, de "blöden TigeT, k o geschlagen und- 90 000 Augen sanen Bev undcrnd za ihm auf, als man ihm unter hohem herbstlichem Abendhimmel und unter veß grellem Scheinwwferlidii einea golden leuchtenden Kranz, gewichti wie ein Wagenrad, ura die nackten Schultern legte. Ja, es war in Hamburg ein großer T?g. Datum:, Mittwo h, 15. Oktober 1947. Und seither konnte man lesen, dieser Tag werde als Ruhmesblatt in der Geschichte (des Boxports) unvergänglich sein. Ach, wie lanpe haben wir doch dies nicht mehr gehört: ein "Ruhmesblatt" und "unvergänglich" —! Auch war in einer Zeitung, die sonst beileibe picht gesinnt ist; sich an kriegerischen Ausdrücken, zu berauschen, der Satz zu finden: "Mit" fliegenden Fahnen ging Neusei unter; Hut ab vor diesem tapferen Kämpen!" Ist dieser Satz nicht aufschlußreich für alles, was im Boxring und im Ring des Publikums vor ich geht? JEs sind zwei verschiedene Welten. Droben, in d>er tlben elt des Boxrings, wirken die schwerverdienenden Schwergewichtler, die menschlichen Panther und Tiger, und die Gesetze, nach denen k angetreten, heißen "Angriff" und "Verteidigung", "Sieg" oder "Untergang mit fliegenden, "Fahnen"; drunten aber, in der Unterwelt der Zuschauerplätze, sitzen die zahlenden Zivilisten, bereit, ihre Stimmen jubelnd zu erheben zu Ehren des Siegers und gleichfalls bereit, zu Ehren "des ehrenvoll Unterliegenden die ziviler) Hüte zu lüpfen. Ich weiß: der Gedanke t sinnlos; aber verlockend ist es doch, zu d€nker, man könnte den Boxkampf aus der Sphäre des Sports in die der Politik heben, so nämlich, daß Kriege nicht mehr durch die Völker seihst, sondern durch ihre prominenten Faustkämpfer könnten erledigt werden. Wir andeten würden — siegten wir — die Besatzungskosten und — unterlägen wir — die Trümmer sparen. Obwohl berühmte Boxer im allgemeinen weitaus mehr Geld verdienen als selbst berühmte Generale — Ein iVUrör Armeen, die sie nun einmal sind, Strategen und kämpfende Truppe in einem —, wären die Kriegskosten gerißg und würden willig gezahlt werden, da der Anblidc ulcher- Schlachten ia für alle Beteiligten ein Vergnügt n und ein gewaltiger Anlaß wäre, sich grimmig herrlich- zu erregen, wie dies in den bisherigen Kriegen allein den goldbetreßten He"rführern vorbehalten war. DocL wohin verlieren wir uns? Und warum so abwegige Gedanken? — Mag sein, daß wir, die Besucher des großen Boxkampfes um die Deutsche Meisterschaft aller Klagen, und wir, die Leser der Berichte, mit unserem Versuch, mehr oder minder, gewichtig zu scherzen, ein leichtes Unbehagen überspielen wollen, ein Unbehagen, das aus verschiedenen Quellen stammt und an dem niemand unschuldiger ist als die Boxer selbst, denen, ob sie ten Hoff oder Neusei "heißen", auch uns ft Sympathie gehört Ja, es ist ein Unbehagen zu denken, daß, wie wir feststellten, bis zu 400 Mark im SchwarzmarktVerfahren für Eintrittskarten gezahlt wurden, während wir zugleich von Menschen wissen, die — Flüchtlinge aus dem Osten — nur mit Mühe" die 16 Mark für die Hungerrationen der monatlichen" Lebensmittelkarten aufbringen. Es ist ein Unbehagen zu denken, daß bei politischen Versammlungen — sei es, daß Dr. Schumacher oder Dr. Adenauer spricht — die Säle meist sehr leicht die Erschienenen fassen, während hier 40 000 Besucher mit korrekt gekauften Karten erschießen und gewiß noch einmal 5000 Gäste sidk sozusagen als Überzählige hereingesclimuggelt hatten, sei es daß sie horrende Preise oder einfach gär nicht zahlten. Man mußte inmitten Hamburgs einen riesigen Sportplatz wählen, man muBte den freien Himmel zu Hilfe nehmen. Wo gäbe es in unserem Volke, das, wie die Experten sagen, sich durch den Geist nach yßtn bringen uad durch die Kunst trösten und tutrkhten lassen soll, solch einen Andrang selbst 0ei Konzerten eines Furtwänder? Und dilicilich war es auch ein Unbehagen, diese riesig; Menschenmenge da Kopf arj Kopf auf chmakn, engen Bänken sitzen zu sehen und selber in ihr unterzutauchen, ein. Unbehagen und eine Erinmrung ans zwölf Jahre währende "Zeitalter der Massen". Auch hier dröhnten vom Boxring inmitten des Platzes wie von einem Podium psthe tische Laütsprecierworte und es war ein Trost, daß ein Blick aufs Programm den leichten Alpdruck losen konnte. Penn so blieb die Gewißheit, daß es nicht etwa um einen neuen Hitler, einen neuen Goebaels ging, vielmehr um Männer, die nicht nach gefährlichen Ideen sondern nach gefälirlichen Kilo gewioitcn gemessen werden.

Zuerst die Vorkärajrfe. Während das Tajesbcht in so feinem Dfatiunfttdo Abschied nahm, wie dies kein Bühenlidrt vermag, kämpfte der schlanke Toni Abel aus Mannheim gegen Monsieur Regnäer, der kein schwerer Belgier, sondern ein leichter Belgier war, dies zum Unterschied von der bekannten und uns mm Anblick großstädtischer Bierwagen vertrauta Pferderasse. Wie sie aufeinander losfuhren, gjidun sie eher behenden Ponys, die sich munter umeinander tummeln, die Vorderhufe in der Luft. Fragbs ein ästhetischer Genuß, diesem Intermezzo zuzugehen dem da "Unentschieden" des Riditersprueics keinen Abbruch tat. Kämpfe wie diese habei halt den Zweck, das Publikum gelinde M erwägen, was bei der kühlen Herbstluft auch durchras notwendig war. Allmählich löst sich ?udi das Jnbehagen, Denn die es Publikum ist zwar bexeir, sich fazinieicn, nicht jedoch anvisieren zu lasen; eine Masse zwar von 45 000 Menschen, doch wher 45 000einzelne als eine Masse. Das komnt, weil der Humoi hier irksam- ist wie ihn die Masssijmenscben des zwölf Jahre offiziell nitnt habei dudten. Als Kölblin antritt, um gegen Drägfsteia zu kämpfen, ein denkmallangcr Sehwergewiiitler gegen einen kleineren, dickerer Boxer ähnlichen Kalibeis und als sich die bjiden anstatt kräftig dafauflo£2uhau"n, imner wieder in den Amva liegen, ruft eine Sthru : Umarmt euch zu Haus!" Und da der Kampf müder und mrider wird kritisiert ein Zuruf: ,Schlaft sclmeller. Genossen!- KITS, das Publikum bringt, weitaus tnehi schlagkräftigen G<?ist auf, als die Boxer schlagkräftige Muskeln. Licht aus!" ruftgleich ein janzLF Chor, denn sif wollen es nicht m dir länger ansehen, wie das Ecxerpnar, anstatt einander die Mssen einzysdilagjnTfippisch einhertärrzelt und wie der K;"npf offenbar den Glanz nicht wert ist, der ms" Jupiterlampen suf ie herniederstiahlt. Dabei sehens viele wohl, daS KMblin der bessere . Box ist; und dennoch" gehört die Sympathie, soweit vorhanden, eher" seinem Gegner, der immerhin anjieift wie denu auch sein mag, Lind diestn Mut — das verlangt man wider besseres , Wissen um die Boxkunst — will das Publikum zulegt auch anerkannt sehen. Es johlt und pfeift, als Kölblin zum Punktsieger erijärt wird, und ruft Schiebung Schiebung"; ja, das Publikum ist moralisch gerechter als die" Richter, denn es Ifcbt die Tugend noch mehr ak das Können und läßt den Mann am La utsprcA er der Neues ver tenlen will, minuteulaH nicht zu Worte kommen. "ScKebung Schiebung " O hätten wir docf Gleiches in den ersten politischen Lautprecherjähren getan! Es wären <sann sicherlich keire zwölf, die für tausend zählen, daraus geworfen! — Jedenfalls, bisher sind es nirht so sehr die Boxer, eonlern da s Publikum selber isrs gewesen das aus dem Boxfag ein Volksvergnügen machte, als eclte es fas Motto: Dort, wo man boxt, da laß dich ruhig nieder So hat sich denn allrnählch eus uns, dem Publikum, eine erwartungsvolle itkfenrunde gebildet, begierig, den Anblick dar Hajpt- und Staatsattraktioaen, der gladiatores maxntri, auf uns wirken z lassen. Und welche EintrachtI Da sind Arbeiter und Bürger und kein UnteriicLciT! Verein Deutsche und isde einen Küeg hat es nie gegeben; dies nuß eia Gerücht gevesen sein, nd die Toim ncr sind gewiß nur dumme Halluzinationen. Un siehe: aie erscheinen lichtgebacei. Gedrungen snd, wir ea scheint, bereit zum Spmn geduckt: Walter Nisel: hochgewachsen, eii Siegfried ocV Parsifal der Sage; Mein ten Hoff.

Der Kampf beginnt. J JST in cLesem Augenblick kommen, wobei sie sich, um nicht zu stören, tief zur Erde bücken, einige engüsdit. Soldaten, von hinten durch den frcigebliebeRen Purdhgang rwijdben den Bänken nach vorn; in trautem Verein mit ihnen ein Dutzend Hamburger Schuljungen. Zurufe, nur halb empört, eher belustigt. So daß d ie Soldaten, halb erschrocken, doch ehe: "jöflidh zu kriechen beginnen und dann zu robben: sie wolle wirklich nicht stören, sie wollen nur nach vorn. begeistert, wie sie sind — "Runter mit den K&ppen!" — beileibe, auch dieser Zuruf ist ntcht man sie als N?ehhajl böser Zeiten irrmer noch, vor Gericht zitiert hört. Undenkbar, daß ein Krieg j stattgefunden! Ti?fer Frieden im ZusehawmW. Der Kampf tobt oben.

Wirklich meisterhaft, w ;e diese- ten Hof?- ich den drohenden und unentwegt Dünkte SPromelnden Neusei vorn Leibe hält, indem er seine lange linke Gerade mit Florettfechterelejanz andauernd dem Angreiferr ins Gesicht sticht, nsAt schlimm, ein bsßdien auf die Nase, eir biSchen auf die Augenbrauen! Imaierhin, wir dnintc spBeas förmlich mit wie es den Neusei reize; wir glauben zu hören, dsß er knurrt, gefjhil 1ch knurrt. Und da, in der dritten Runde, springt Mensel an und w:=ait den anderen, der eben no h stauet wie auf d;n Bodin Z v r kommt diese" bis nif "8" des auszählenden Schiedsrichters ahne Mühe hoch, aber fr macht denn doch den Eiiidn k eines Erschrockenen, der einem wötercVn Sricr ti nahe gekommen und" nuivhölliadi aufpassen muß, daß er nicht < in zveits Ms unversehens auf die Homer genommen wird. Und aU der Gongschlag ihn diesmal erlest, geht er, leicht schwakend, in die linke, falsche, neutrale Ecke, Da siel t ein fciScfien drollig aus wie ten Hoff da einen Augenblick larig so steht wie ein kirht geistesgestörtes Rennpferd, das in die unrechte Box geraten i "t and vorsichtig heraussreführt werden muß.

Wer hftte das gedacht, dsfi heia ten Hc ff nads alledem noch einmal das tlbcrgewAt b ekornen werde? Wir alle natüilich — wenigstens dies hinterher gesagt—, wir alle, die wir viele Boxkämpfe Aon orseljen und selten einen so erregenden Kampf wie diesen wir halten es gedacht. Bei einem Boxkampf wie die<;m fühlt man, acn die beid n Seelea, von denen Goethe sprach, in der eigenen P rust. Die eine heißt ten Hoff und sagt: "Aufgepaßt, aufgepaßt! Ich muß die Taktik ändern!" Die ardere heißt Neusei und ssgt: SAtagen muß ich nur schlagen, wieviel A auch eelber einstecken mag Er ist jung und stark, der andere, aber er verträgt nicht viel. Ich aber, der Alte, ertrage alles Es ist meine letzte Chance Und so geschah es, ~daß Newel unterging, tapfer und "mit fliegenden Fahnen", nachdem er fast ebne Dcckiwg fast völlig offen jASmpft hatte — "sträflich offen" wie Schmclin? sate — voll Vertrauen auf das, was er aushaken, einstecken könnte. Heia ten Hoff aber hat ; aufg jppöt und die Taktik geändert. Er schlug ihn, indem er nicht nur seine gröStye Jugend, sein? ängere Linke, seine harte Rechte, scndirr, aufs Verstand einsetzte, ruhigen kalten Verstand. Er schlug ihn in der siebenten Rund:", von der es erfahrungsgemäß heißt, daß sie immer für BCJT ?e fjMich und entscheidend ist.

Wohlverstanden: nur für Boxer. Denn das Publikum, froh, diese siebente Runde sehen zu haben, ging seltsam müde und zugleich erregt nach Hause glücklich, als hätte es e>nen wunderbaren Blick getan, den sonst verwehrten Bli&c in ine große