Der deutsche Export von Kraftfahrzeugen wurde zwar zunächst durch den Kontrollrat abgelehnt. Jedoch war dieser Beschluß kaum haltbar angesichts der Tatsache, daß für Nahrungs- und Rohstoffeinfuhren ein sehr hoher Bedarf an Devisen zu erwarten ist, zu dessen Aufbringung sich auch der Export von deutschen Kraftfahrzeugen als unumgänglich notwendig erwiesen hat. Die Exportmesse Hannover und die erzielten Abschlüsse haben gezeigt, daß Deutschlands Kraftfahrzeugindustrie trotz jahrelanger Isolierung vom Weltmarkt durchaus exportfähig geblieben ist... Wie wird sich nun diese Ausfuhr in Zukunft gestalten? Unter Zugrundelegung der Ausfuhrziffern vom Jahr 1938 kommen wir zu folgenden Möglichkeiten:

Eine Exportziffer für Krafträder kann zur Zeit noch nicht festgelegt werden, da der neue Industrieplan eine feste Angabe der uns zugestandenen Produktion an Krafträdern nicht enthält. Da das Motorrad bei der allgemeinen Verarmung Deutschlands auf Jahre hinaus eine bevorzugte Stellung in der Motorisierung einnehmen; wird, hofft der Reichsverband der Automobilindustrie auf eine Jahresproduktion von 200 000 Motorrädern. Obwohl es nicht ganz leicht ist, den deutschen Bedarf der Nachkriegszeit mit den Bedürfnissen der ausländischen Märkte auf einen Neuner zu bringen, war es möglich, in Hannover Kraftwagenexporte für 10,6 Mill. Dollar abzuschließen; dies sind 14 v. H. des Gesamtumsatzes der Exportschau Weitere 300 000-Dollar-Aufträge an die Zubehörindustrie bedürfen noch der Genehmigung. Auf Personen- und Lastkraftwagen entfielen knapp die Hälfte der Aufträge: –

– Für Personenwagen, Lastkraftwagen und Omnibusse interessieren sich vor allem Dänemark, Schweden, Finnland und die Schweiz. Aus Übersee kamen Bestellungen u. a. aus Australien, Britisch-Ostafrika und Persien. Bei den Schleppern sind die Auftragsländer vorwiegend Frankreich, England, Irland und die Türkei, ferner Indien und Südafrika. Für Spezialanhänger kommen Käufer aus Belgien; Jugoslawien und der Schweiz in Frage. Motorräder werden von den gleichen Ländern wie Automobile begehrt Nun sind allerdings durch diese Abschlüsse die Schwierigkeiten nicht beseitigt, die unsere Kraftfahrzeugproduktion noch immer ganz bedeutend hemmen. Strom-, Kohle- und Materialmangel stellen sich einer geordneten Produktion immerwieder in den Weg und werfen alle Planungen über den Haufen. Sie gilt es zu beseitigen, wenn unsere Industrie gesunden und ihre Exportchancen voll nutzen soll. Wilh. Fuhrmeister