Im kommenden Winter werden nach Auffassung der Militärregierung genau so große Schwierigkeiten in der Stromversorgung eintreten, wie vor einem Jahr. Ganze Gebiete werden vom Strombezug abgeschaltet werden müssen, vielleicht sogar für längere Zeiträume. Die lange Trockenheit habe die Stromversorgung sehr erschwert. Zum. Ausgleich müssen ungefähr 200 000 t Kohle in Dampfkraftwerken verfeuert werden. Infolge der Stromknappheit sei die Stromausfuhr nach Belgien und Holland, die jedoch nur etwa 2 v.H. des Stromverbrauchs der britischen Zone ausmache, herabgesetzt worden. Der Aufbau des Kraftwerks Frimersdorf (RWE-Konzern) im rheinischen Braunkohlenrevier wurde von der Militärregierung genehmigt. Außerdem werden: zwei Steinkohlenkraftwerke ausgebaut.

Die Wasserversorgung im Ruhrgebiet ist so schwierig geworden, daßIndustrie und Haushaltungen sehr sparen müssen, wenn zeitweise Abschaltungen vermieden werden sollen, teilt die Militärregierung mit. Die Industrie soll 20 v.H. einsparen.

2 Mill. t Torf wurden in diesem Jahr in der britischen Zone gewonnen, davon 1,5 Mill. t –doppelt soviel wie imvorigen Jahr – in Niedersachsen und 0,6 Mill. t in Schleswig-Holstein, 1948 soll die Förderung nach einer Anweisung der Militärregierung auf 3 Mill. t, 1949 auf 4 Mill. t und 1950 auf 5 Mill. t gesteigert werden.

Zahlungsabkommen zwischen der Doppelzone und den Regierungen von Finnland, Norwegen, Schweden, Dänemark und Ungarn wurden jetzt von den britisch-amerikanischen Besatzungsbehörden ratifiziert. Nur mit Finnland und Ungarn werden Verrechnungskonten in Dollar eröffnet. Sonst sollen Verrechnungskonten in den Währungen der einzelnen Länder eingerichtet werden, Die Überschußbeträge sollen jeweils nach dem Wunsch des Gläubigerlandes in Dollar oder Pfund Sterling beglichen werden. DieAbkommen gelten vorläufig biszum31.Dezember 1947, laufen aber automatisch für ein Vierteljahr weiter, wenn sie nicht einen Monat vor Ablauf gekündigt werden.

Preisvorbehalte sind bei langfristigen Lieferungsverträgen nach einem Erlaß des württembergischbadischen. Wirtschaftsministeriums nunmehr zulässig.

In Südwürttemberg wurden die Löhne für die Arbeiter im Baugewerbe um 17 v. H., in der Naturseidenindustrie um 24 v. H., in den Ziegeleien um 39 v. H. und den Betrieben der Forstwirtschaft um 59 v.H. erhöht. Lohnaufbesserungen für Arbeiter im öffentlichen Dienst, der Holzindustrie und der Metallindustrie sind wahrscheinlich.

Der Handel zwischen Ost- und Westeuropawird wieder in Gang kommen, wenn die einzelnen Länder wieder über normale Produktionsüberschüsse verfügen. Diese Auffassung vertritt der vor einigen Tagen zurückgetretene Staatssekretär für Wirtschaftsfragen im USA-Außenministerium William Clayton. 1938 gingen etwa 65 v. H. der Ausfuhren. Osteuropas nach Westeuropa; Bulgarien allein exportierte 81 v. H. seiner Güter nach dem Westen. Jugoslawien 75 v. H., Rumänien 81 v. H., Ungarn.