In England kennt man das Wort: „Save the surface und you safe all“. Die Anwendung dieser ausgezeichneten praktischen Regel in Deutschland scheitert heute fast allgemein an dem Mangel an „Oberflächenschutzmitteln“, also an Lachen und Farben – einem Mangel, der nach dem völligen Aufbrauchen der alten Bestände des Handels und der Hersteller nur durch eine ver-Künftige Einfuhrfreigabe zu beheben ist. Daß auf diesem Gebiete recht bald etwas geschehen muß, das zeigen u. a. die Berufe der Eisenbahn-Beschaffungsämter, der Straßenbaudirektionen und der Hafenbauämterüber schnell fortschreitende schwere Rostschäden an Eisenbahnbrücken – bis zum „Schalenrost“-Stadium. Besonders gefährdet durch Rost sind auch die Träger der Starkstromleitungen. Aber nicht nur für den Schutz von freiliegenden Eisenkonstruktionen besteht Bedarf Ladt und Farbe als Schutzmittel werden vielmehr, wie im folgenden näher ausgeführt wird, nahezu überall in Wirtschaft und Technik gebraucht.

Lacke und Farben sind aus dem täglichen Leben nicht fortzudenken. Wohin wir auch sehen, begegnen wir ihnen. Kaum ein Industriezweig kann auf Sie verzichten. Trotzdem wird die Bedeutung von Farbe und Lack als industrielle Hilfsstoffe nicht immer richtig erkannt. Wenn auch viele Dinge durch die Lackierung erst ihr „Gesicht“ gewinnen und damit verkaufsreif werden – denken wir z. B. an Fahrzeuge, Möbel, Küchengeräte, Spielwaren usw. – so ist der Hauptzweck der Lackierung doch, der, zu schützen und nicht zu schmücken. Heute, da wir mit dem wenigen, was uns noch geblieben, besonders sorgfältig umgehen müssen, kommt dem Schutz vor Verfall sei es durch Rost, Fäulnis oder Verrottung, mehr Aufmerksamkeit denn je zu. Und hierfür sind Lacke und Farben unentbehrlich.

Wir wissen, daß die Besserung unserer gesamten Lebenshaltung abhängig ist von der Steigerung der Kohlenförderung, der Wiederherstellung und Neuanfertigung von Transportraum, einem umfangreichen Export, dem Vermehrten Ausstoß von Konsumgütern aller Art und nicht zuletzt auch von der Errichtung von Wohnraum. Von allen hieran beteiligten Industrien und den vielen Zubringerindustrien aber wird Farbe und Lack gebraucht, und zwar in einem Maße, von dem der Laie kaum eine Vorstellung hat. Wer hat einmal daran gedacht, daß kein Elektromotor Jünger als einige Wochen läuft, wenn der Isolierlack dafür fehlt? Der Bergbau, die Eisenbahn. und alle sonstigen Verkehrsunternehmen, die Versorgungsbetriebe wie Gas-, Wasser- und Elt-Werke brauchen neben großen Mengen von Rostschutzfarben eine Vielzahl von Spezial-Anstrichstoffen. Der Austausch von Buntmetallen, die hohe Devisenbeträge notwendig machen würden, ist nicht denkbar ohne die Verarbeitung von Lacken, die den besonderen Ansprüchen angepaßt sind. So hat z. B. die Schwarzblechdose ihren Schrecken für die Hausfrau verloren, seitdem die neuen haltbaren Dosenlacke zur Verfügung-stehen. In der Ernährungs- und Konservierungsindustrie spielen weiter Gefrierpackungs-, Milch- und Blutkannenlacke eine nicht unwesentliche Rolle. Die vielseitige Verwendung von Lack und Farbe im Bauwesen, und in der Möbelindustrie ist bekannt, insbesondere auch für Krankenhausbedarf und als Desinfektionsanstrich. So läßt sich die Bedarfskette beliebig verlängern. Aber auch in der Ausfuhr nehmen Lacke und Farben, einen wesentlichen Posten ein; sowohl in der direkten als auch in der indirekten Form über Fertigprodukte.

Diesem großen Bedarf stehen gegenwärtig nur geringe Liefermöglichkeiten gegenüber, die bereits zu erheblichen Schwierigkeiten in der verbrauchenden Industrie geführt haben. Die Produktionsmöglichkeiten der Lackindustrie sind durch den Krieg nicht übermäßig in Mitleidenschaft gezogen. Es fehlen aber einige auslandsabhängige Rohstoffe. Wenn auch, die Lackindustrie durch das Aufkommen neuer Rohstoffe, vor allem der Kunstharze, beweglicher geworden ist, so kann sie doch auf zwei Grundrohstoffe nicht Verzicht leisten: nämlich Harz und Öl.

Harz wurde vorwiegend aus den USA, Frankreich, Spanien, Portugal und auch Griechenland eingeführt. Die deutsche Harzgewinnung, deren. Steigerung zwar angestrebt wird, ist im Vergleich zum Bedarf unbedeutend. –

Leinöl und Holzöl sind die Standardöle der Lackindustrie, wobei das Hauptgewicht auf Leinöl zu legen ist. Leinöl wurde vorwiegend in Hamburg und am Niederrhein aus Leinsaat gewonnen. Die Leinsaat selbst kommt überwiegend aus Argentinien. Holzöl wurde aus China eingeführt. Durch den Einsatz der schon erwähnten Kunstharze ging zwar der Ölverbrauch zurück; ein völliger Verzicht ist aber nicht möglich. An Versuchen, Leinöl und Heizöl durch andere Öle auszutauschen, hat es nicht gefehlt. Vor allem über die Verarbeitung zu Kunstharzen sind. durch Einsatz von Rizinusöl, Oiticicaöl. Tallöl, Tran und synthetischen Fettsäuren beachtliche Erfolge erzielt worden. Während Leinöl und Tran auch für die Ernährung Wichtig sind, trifft das für die übrigen Öle nicht zu. Auch Sie in der Kunstharzindustrie verwendeten Transorten waren solche, die für die Ernährungszwecke nicht mehr geeignet, sind. Tallöl, ein Abfallprodukt aus der Sulfat-Celluloseherstellung wird vorwiegend von Schweden und Finnland geliefert. Seine anstrichtechnische Verwendung macht eine Veredelung notwendig, für die in Hamburg eine Spezialfabrik besteht.

Wenn sich auch – eben weil ein Großteil der Ausfuhr über Fertigwaren erfolgt – der Exportanteil. von Lack und Farbe kaum genau erfassen laßt. so kann doch als sicher, angenommen werden, daß der Devisenaufwand für die Einfuhr der notwendigen Mengen Harz und Öl um ein Mehrfaches durch die Ausfuhr wieder hereingeholt wird Die Möglichkeit, dieverschiedensten Länder (USA, Frankreich, Spanien, Portugal und Griechenland für Harz, Argentinien und Indien für Leinsaat und Leinöl, USA, Indien und auch Italien für Rizinusbohnen oder Rizinusöl, Brasilien für Oiticicaöl Skandinavien für Tallöl und Tran) bei der Einfuhr nach Deutschland zu berücksichtigen, dürfte die Einfuhrplanung erleichtern. Die Lage der Lade Industrie, der Aufbruch aller Vorräte und die Notwendigkeit, wenigstens den vordringlichsten Bedarf zu decken, erfordert allerdings schnelles Handeln, wenn sichergestellt werden soll, daß einwesentlicher Baustoff, sowohl für die Wiederherstellung unseres gesamten wirtschaftlichen Lebens, als auch für die Ankurbelung des Exportes, verfügbar bleibt. Dpn.