Die angelsächsischen Mächte haben im Hinblick auf die Einsprüche Frankreichs, Belgiens, Luxemburgs und Hollands den ursprünglichen Vorschlag. einer deutschen Kohlenverwaltung. fallen gelassen. Reuter meldete nämlich am 15. Oktober aus London, daß der geplante deutsche Verwaltungsrat für den Kohlenbergbau eine technische Körperschaft ohne politischen und repräsentativen Charakter.sein wird. Auf die am 15. (fünfzehnten) Oktober angekündigten weiteren Maßnahmen wartet man zwar bisher vergebens, aber kaum ist der Schluß berechtigt, daß, wie so oft im Rahmen dieser Verhandlungen, eine neue und vielleicht für Deutschland einmal günstige Wendung eingetreten seid könnte.

Der wohl als endgültig anzusehende, am 15. Oktober bekanntgewordene Beschluß würde bedeuten, daß für die Kohlenförderung und -verteilung die britisch-amerikanische Kontrollbehörde als Nachfolgerin der NGCC verantwortlich ist, die in Aussicht gestellten Exekutivbefugnisse des deutschen Generaldirektors sich dagegen auf technische und verwaltungsmäßige Fragen beschränkten. Der am 11. September veröffentlichte ursprüngliche Plan hatte dagegen vorgesehen; daß die „Verantwortung für die Kohlenförderung in deutsche Hände gelegt werden soll“, während die angelsächsische Kontrollbehörde nur überwachen und Richtlinien geben würde. Es war die Rede von einer deutschen Generalverwaltung- und einer deutschen Selbstverwaltungskörperschaft. Alles dies gehört leider der -Vergangenheit an. Die Ansicht ist offenbar, daß der deutsche Kohlenbergbau für eine Selbstverwaltung noch nicht reif sei. Die Lage bleibt somit unverändert. Der schwerfällige Kontrollapparat der Besatzungsmacht wird außerdem wohl auch künftig wie bisher verhindern, daß deutsche Stellen in die Verantwortung hineinwachsen. Anscheinend hoffen gewisse. Kreise, so die Kohlenförderung am ehesten steigern zu können. Diese Kreise sitzen vorwiegend in Paris. Die Reutermeldung läßt nämlich als Hauptgrund für diese Wendung die Rücksichtnahme auf die Wünsche Frankreichs und der Benelux erkennen. Diese Länder hatten gegen den ursprünglichen Plan protestiert, weil er „zu einer gefährlichen Machtanhäufung in deutsche Hände führen wird“, und weil die Besitzinteressen diesen Länder nicht gewahrt werden. So möchten diese Länder die Gruben unter ihren direkten Einfluß bringen, an denen ihre Bürger kapitalmäßig interessiert sind. Eine Mitwirkung bei der Kontrolle hat offensichtlich nur Frankreich verlangt. Über sowjetrussische Wünsche wurde in diesem Zusammenhang nichts bekannt.

Die „Entpolitisierung“ der geplanten deutschen Behörde entspricht ferner den amerikanischen Wünschen nach einem „Sozialisierungs-Burgfrieden“. Die Proteste der Gewerkschaften gegen die von amerikanischer Seite erwogene Ernennung von Dr.-Ing. Roden zum Generaldirektor der deutschen Stelle haben offensichtlich bei den Amerikanern den Wunsch nach einem Schutz gegen derartige politische Forderungen verstärkt. W. G.