vom 16. Oktober bis 22. Oktober 1947

Außenminister Marshall wies in einer Rede vor dem amerikanischen Gewerkschaftsverband CIO auf die Notwendigkeit einer schnellen vorläufigen Hilfe für Europa hin. Die wirtschaftliche Stabilität Europas, sagte er, sei wesentlich für seine politische Stabilität und von größter Wichtigkeit für den Frieden und die Sicherheit der USA. „Wir sehen uns der Gefahr gegenüber“, führte er weiter aus, „daß die Grundzüge der westlichen Zivilisation tatsächlich verschwinden, auf die unsere Regierung und unsere Lebensart begründet sind.’’

In einem Kommentar zu der Ansprache Außenminister Marshalls betonte die ,,New York Times“, daß die USA durchaus nicht beabsichtigten, den Kommunismus oder das sowjetische Regime zu vernichten. Die amerikanische Politik gründe sich vielmehr auf der Hoffnung, daß das amerikanische und das sowjetische System in Frieden und Eintracht und zum Wohl der ganzen Menschheit zusammenarbeiten könnten. Präsident Truman hat die Staatsbanketts dieser Saison im Weißen Haus abgesagt. Als Begründung wurde die dringende Notwendigkeit, Lebensmittel zu sparen, angeführt, „damit Amerika bei der Bekämpfung des Hungers in überseeischen Ländern mithelfen kann“.

Der polnische Außenminister Modzelewski hatte eine Unterredung mit Außenminister Marshall. Pressevertretern gegenüber erklärte er, daß das deutsche Problem einen der Hauptpunkte der Unterredung gebildet hätte. Nach seiner Meinung würden in Deutschland die Differenzen zwischen den Großmächten „künstlich aufgebauscht“, und zwar in einer Zeit, in der man mit Nachdruck eine Versöhnung und Lösung der Mißverständnisse suchen sollte.

Mit der immer stärker in Erscheinung tretenden Spaltung der Welt in ein östliches und ein westliches Lager befaßte sich die „Times“. Sie drückte die Auffassung aus, daß diese Spaltung einen Krieg weder wahrscheinlich noch unausweichlich mache.

Der ehemalige Vorsitzende der britischen Arbeiterpartei, Professor Laski, erklärte, er habe mit Marschall Stalin gesprochen und wisse, daß die Sowjetunion keinen Krieg wolle. Die Sowjetunion, fügte er anschließend hinzu, sei auf jeden Fall in den nächsten zehn Jahren nicht fähig, einen Krieg zu führen.

Vor einer Gruppe britischer Labour-Abgeordneter, die Stalin besucht hatten, erklärte der sowjetische Ministerpräsident, daß die Sowjetunion den Eisernen Vorhang nicht wünsche und daß dieser Vorhang nicht vorhanden sein würde, wenn Ost-