Zwischen Nord und Süd spielt sich seit Monaten ein stilles, aber darum für die Gesamtinteressen nicht weniger verderbliches Tauziehen ab, das zugleich die Grenzen sichtbar macht, die der Macht der bizonalen Wirtschaftsverwaltung noch immer gezogen sind.

Das VAW Minden hatte den Kunstseiden- und Zellwollfabriken der britischen Zone bestimmte Mengen Zellwolle zugeteilt. Auf Anweisung der süddeutschen Wirtschaftsministerien wurden diese Lieferungen von den beauftragten Werken jedoch nicht ausgeführt; Nachdem zwei Betriebe der britischen Zone hatten stillegen müssen, fand in Minden unter Beteiligung der süddeutschen Länder eine Besprechung statt, in der 1550 t verfügbaren Zellstoffs auf die beiden Länder aufgeteilt wurden. Infolge der durch die Dürre eingetretenen Wasser- und Stromknappheit konnten die süddeutschen Lieferwerke aber die vorgesehene Produktion nicht ausbringen. Dies veranlaßte die süddeutschen Stellen zu dem Beschluß, an die britische Zone nun überhaupt nichts mehr zu liefern. Infolgedessen werden also sämtliche Werke der Kunstseiden- und Zellwollindustrie der britischen Zone wahrscheinlich in den nächsten Wochen zum Erliegen kommen.

In dem Bericht des Fachverbandes Kunstseide und Zellwolle heißt es lakonisch über diese Entwicklung: Das? VAW in Minden kann sich diesen Verhältnissen gegenüber nicht durchsetzen.

Nach der – kalendermäßig – zum Jahresbeginn 1947 erfolgten Vereinigung der beiden Westzonen wäre es allmählich an der Zeit, nun enger zusammen- statt weiter gegeneinanderzuarbeiten, und zwar nicht ‚nur. bei Tagungen und Besprechungen, sondern bei der praktischen Arbeit. Auch die Gründung des Wirtschaftsrates in Frankfurt liegt jetzt schon einige Monate zurück. Man ist jetzt wirklich "unter sich", ganz ohne Besatzungmacht, und kann die so oft geforderte Einheit nun in eigener Verantwortung endlich verwirklichen. Sf.