Nachdem auf der Exportmusterschau in Flensburg Abschlüsse im Werte von 4,2 Mill. Dollar ge- – tätigt worden sind, ist nunmehr auch die offizielle Eröffnung in Anwesenheit hoher englischer Gäste; wie Sir Cecil Weir und Gouverneur de Crespigny, erfolgt, und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Lüdemann wünschte ihr zum zweiten Male Glück auf den – Weg. „Es sieht fast so aus“, meinte er, „als ob meine Glückwünsche – und natürlich auch die vielen anderen – dieser Veranstaltung zu einer segensreichen Entwicklung verhelfen haben.“ Allerdings darf man d.i. erwähnte Abschlußziffer weder an normalen Exportziffern der Vorkriegszeit messen, noch hinter jedem getätigten Abschluß bereits ein abwicklungsreifes Geschäft – vermuten. Der Vorzug einer derartigen Musterschau liegt in dem Anreiz, unmittelbar, südlich der dänischen Grenze einen Ausschnitt aus der schleswig-holsteinischen Exportproduktion sehen und mit den alten Geschäftsbekannten wieder sprechen zu können. Die Zahl von 2800 dänischen Besuchern beweist das Interesse der dänischen Einkäufer, die für Flensburg geschaffenen Erleichterungen des Grenzübertrittes zu einem meist eintägigen Rundgang auszunutzen.

Exportgespräche haben heute noch einen hohen „Hoffnungsgehalt“ – das gilt auch für Flensburg. Einheimische Rohstoffe sollen zwar vom VAW zugeteilt werden, doch das geschieht manchmal in Form von Bezugscheinen, die kaum in Ware umzusetzen sind. Ausländische Rohstoffe sind noch ein völlig offenes Kapitel. Aber auch die dänischen Einkäufer scheinen manchmal Aufträge im Vertrauen auf ihren guten Stern zu erteilen. der ihnen später zur sehr rar gewordenen Importlizenz verhelfen soll. Auch das neue Verrechnungsabkommen ändert – praktisch nichts; denn die Verrechnungsspitze muß nach Wie vor in Dollar oder Sterling abgetragen werden – beides für Dänemark äußerst knappe Devisen. Obwohl die Einzelheiten des Verrechnungsabkommens den deutschen Stellen bisher nicht bekanntwurden, soll jetzt auch die Kohleverrechnung darin enthalten sein. Dänemark hat damit eine hohe Spitze zu begleichen. Solange keine entsprechenden Lebensmittellieferungen nach Deutschland erlaubt werden, muß Dänemark mit der Erteilung von Importlizenzen vorsichtig sein.

Die getätigten Abschlüsse wie die Gespräche erlaufen jedoch gewisse Rückschlüsse auf die Exportmöglichkeiten unter diesen erschwerten Bedingungen. Um ganz offen zu reden, unser aufgeblähtes Kunstgewerbe vom Aschenbecher bis zum Lampenschirm ist überwiegend in Preis und Geschmack exportunfähig. Auch Spielwaren, früher ein wichtiges Ausfuhrgut, sind im Zeichen der Devisenknappheit kaum gefragt. In Textilien interessen die fertige Konfektion vorerst wenig (z. T. woll als Folge unserer modischen „Isolierung“); dagegen hat Meterware gute Erfolge. Da es sich hier nur um die erste Veredelungsstufe handelt, sind, dies keine „günstigen“ Ausfuhrgüter. Die Nachfrage nach Maschinen- und Fahrzeugersatzteilen ist beträchtlich, aber schwer zu befriedigen. Für neue Maschinen und Anlagen ist eine derartige Musterschau wohl kaum der geeignete Boden. In der Regel werden die Interessenten nicht über den Flensburger Großhändler, sondern direkt mit dem Fabrikanten Fühlung nehmen wollen.

Überhaupt ist es ein Nachteil der Flensburger Schau, daß sie als „Tor zum Norden“ zu sehr Lokalcharakter trägt: Produzenten, die nicht in Schleswig-Holstein sitzen, dürfen nur durch einen Flensburger Großhändler, nicht, direkt vertreten seit! Ursprünglich wollte man sogar, schleswigholsteinische Firmen in diese Zwangsjacke stecken! Derartige Monopolansprüche einer kleinen Grenzstadt engen nicht, nur das Geschäft dieser Schau auf den nachbarlichen Grenzverkehr ein. (Die verschwindend kleine Zahl schwedischer und norwegischen Besucher sollte den Veranstaltern zu denken geben.) Solche partikularistische Aufsplitterung des Exportes ist für die deutsche Wirtschaft eher schädlich und sollte nicht über die Förderung der traditionellen Flensburger Beziehungen zu Dänemark hinaus begünstigt werden, eg.

Außenhandels-Wandlungen

Dänemark stellte die Exporte an Pferden, Saatkartoffeln Und Früchten in die französische – Besatzungszone Deutschlands ein, da deutscherseits das Handelsabkommen zwischen den Partnern nicht. erfüllt wurde. Dänemark lieferte bisher Güter im Werte von 7,4 Mill. dkr., erhielt jedoch nur Waren für 0,7 Mill. dkr.

Die Besatzungsbehörden erwägen zur Zeit, Textilveredlungsgeschäfte nicht mehr zuzulassen, da der Devisengewinn bei derartigen Auslandsveredelungsgeschäften zu gering sei.

In fünffacher verschiedenfarbiger Ausfertigung müssen ab 16. Dezember Warenbegleitscheine als Genehmigungspapier für den interzonalen Güterverkehr vorliegen.