Derfranzösische Außenminister Bidault erklärtekürzlich, daß Frankreich seine Zone möglicherweise mit der anglo-amerikanischen Zone vereinigen werde, wenn die Londoner Außenministerkonferenz nicht die Wirtschaftseinheit Deutschland herbeiführe.

Danach war dann der Schock um so größer, als wenige Tage später eine endgültige französische Demontageliste angekündigt wurde. 139 Werke sollen in der französischen Zone und im französischen Sektor Berlins abgebaut werden, nachdem 31 Betriebe bereits an Rußland oder an die Interalliierte Reparationsagentur abgeliefert worden sind. Für die Bevölkerung von nur 7 Millionen und die relativ kleine Industrie wiegen diese Demontageabsichten noch schwerer als die angloamerikanischen Vorhaben für die Doppelzone.

Die volle Bedeutung des französischen Vorhabens stellt sich jedoch erst heraus, wenn berücksichtigt wird, in welchem Umfang die wertvollsten und modernsten Maschinen bereits nach Frankreich abtransportiert worden sind. Über diese Entnahmen, die, wie alles in der französischen Zone, völlig dezentralisiert und daher nur schwer übersehbar durchgeführt wurden, ist allerdings nur wenig an die Öffentlichkeit gedrungen.

Besonders ernst an dem französischen Demontageplan ist der beabsichtigte Abbau von Fabriken mit wichtigen Friedensfertigungen wie Werkzeugmaschinen, Zahnräder, Pumpen oder Uhren – Schlüsselbetriebe nicht nur für den deutschen Wiederaufbau, sondern auch für den Export.

Bestürzend ist die vorgesehene Demontage in der Aluminiumindustrie. Während die englische und die amerikanische Regierung die Entscheidung über diese und noch einige andere Industrien hinausschieben und damit noch Hoffnung lassen, hat sich Frankreich für den Abbau entschieden.

Der französische Demontageplan scheint leider zu zeigen, daß noch immer eine Politik am Quai d’Orsay dominiert, die die wirtschaftliche Gesundung Deutschlands nach Möglichkeit zu unterbinden oder wenigstens zu verzögern sucht. Aus der gleichen Einstellung hat sich Frankreich bisher der Erhöhung des zugelassenen deutschen Industrieniveaus immer widersetzt – zuletzt in den Londoner Verhandlungen im August. Die Frage drängt sich auf, ob die dort gegen die Stimme Frankreichs beschlossene Erhöhung des Potential in der Doppelzone nun wenigstens teilweise durch Demontagen in der französischen Zone kompensiert werden soll.

Kapazitätsminderungen in einer Zone sind Kapazitätsminderungen der gesamten deutschen Wirtschaft. Als Vertreter der englischen Regierung erklärte der Regional Commissioner von Hamburg, Mr. Berry, auf unsere Frage ausdrücklich, daß die englische Regierung das Ziel der deutschen Wirtschaftseinheit nicht aufgegeben habe. Nachdem nun durch die Äußerung des französischen Außenministers wenigstens die Vereinigung mit der französischen Zone in greifbare Nähe gerückt ist, steht zu hoffen daß die englische und die amerikanische Regierung die Auswirkungen des französischen Demontageplanes auf den Wiederaufbau Deutschlands und auch Europas berücksichtigen werden.

J. W.