Man muß das Gesicht tief in die Zweige pressen, wenn auch die Nadeln stechen und kitzeln. Dort drinnen schwebt ein Duftklang von Wald, Altargewölk und Zuckerbäckerei, dort raunt Erinnerung und die Sage, daß alles noch mehr bedeute, als es im Alltag scheint.

Ich biß im Dickicht einen Zuckerkringel an, aus dem rosenfarbener Likör troff, und flüsterte: ‚Mutabor“. Diesmal gelang es...

Der ins Riesenhafte gewachsene Wunderbaum umgab mich mit düsteren Gründen und goldgetönten Lichtungen, in die der Schimmer verborgener Kerzen fiel. Zuweilen knackte ein Zweig in der Wärme, und das silberne und kupferne Engelshaar knisterte; das war, wie wenn in der Kirche ein Stuhl klappt oder ein Buch zu Boden fällt.

Ich bahnte mir den Weg bis ans Zweigende, wo eine weiße Kerze Wache hielt. An sie gelehnt und aufatmend um mich blickend, entdeckte ich Eberhard, den Schneemann ganz aus Watte mit den gutmütigen schwarzen Perlenaugen. Er hing an einem goldenen Faden und drehte sich langsam herum. „Nun, da bist du ja wieder“, sagte er und salutierte mit dem Besen; „wie lange kennen wir ins eigentlich schon?“

„Länger als ein Menschenalter, guter Eberhard“, sagte ich, erfreut über das Wiedersehen; „ich lag mit Masern im Bett und durfte mit dir spielen, damit die Zeit nicht zu lang wurde.“

„Richtig. Und am Heiligen Abend hing ich im Baum und mußte mit ansehen, wie deine Mutter veinte und dein Vater mißmutig schlafen ging. Was war da eigentlich los?“

Ich erinnerte mich genau und errötete. „Ich hatte verabsäumt, ,dankeschön‘ zu sagen.“