Die amerikanische Außenpolitik hat sich dagegen bemüht, den Kampf zwischen dem russischen Bolschewismus und den demokratischen Mächten in einen Stellungskrieg zu verwandeln – nicht anders kann man den Ausdruck policy of containment übersetzen, aber Stellungskrieg kann man nur führen, wenn beide Gegner ihn wollen. Wenn einer von ihnen weit darüber hinausgreift, ist das beste Verteidigungssystem wertlos. Die Stellung, die gehalten werden soll, geht heute auch, mitten durch Deutschland. Wir haben allen Grund, darüber unglücklich und verzweifelt’ zu sein. Unsere Aufgabe, die historische Aufgabe, die uns aus unserer Geschichte und unserer geographischen Lage erwuchs, Mittler; Brücke oder auch Polster zwischen Westen und Osten zu sein, haben wir nicht erfüllt – nicht immer durch unsere Schuld. Heute, wo sie so wichtig wäre wie nur je in unserer Geschichte, können wir sie nicht erfüllen, weil beide Seiten sie nicht anerkennen wollen, weil beide; in einer Furcht vor uns leben, die in der jüngsten Vergangenheit berechtigt war und deren Gegenstandslosigkeit zu erkennen, zwei tragische Momente verhindern die Unfähigkeit fast aller Politiker, bei Friedensschlüssen nicht von der Vergangenheit sondern vorder Zukunft auszugehen, und die Tatsache, daßmachtpolitische Gegensätze, die sich lösen ließen, heute zu einem unlösbaren Streit von Weltanschauungen geworden sind.

Die Konferenzen von Moskau, und London mußten scheitern, weil; es nicht um 10 Mrd. $ Reparationen ging oder um die Zerstörung des Marshallplanes nicht um die Form einer deutschen Verfassung – oder die -Festlegung der deutschen Grenzen,-sondern um den Streit zwischen Demokratie und Bolschewismus, um die Frage, ob die Freiheit des Individuums unantastbar sei oder ob der Staat das Recht haben soll, für seine Zwecke beliebig Leben. Glück und Freiheit des einzelnen aufzuopfern. Der Westen hat zur Verteidigung seiner demokratischen Ideale, zur Verteidigung der Menschenrechte – einstweilen mindestens – 17 Millionen Deutsche in dir Ostzone ihrem Schicksal überlassen? Man wird uns nicht verdenken, daß wir ähnliche Gefühle hegen, wie die Tschechen nach den Münchener Verhandlungen im Jahre 1938.