Noch sind die Würfel über Deutschland, über seine Grenzen und seine Menschen nicht endgültig gefallen. Wenn der Außenministerrat auf unbestimmte Zeit vertagt ist, so können die Verhandlungen doch weitergeführt werden über die Botschafter der Großmächte oder – in praktischen Fragen der Besatzungspolitik – über den Kontrolltat in Berlin. Auch kann man es als ein bedeutsames Zeichen ansehen, daß die Besprechungen über das österreichische Friedensstatut von den Sonderbeauftragten in Wien fortgesetztwerden sollen.

Diese Kommission war in Moskau am Schluß der Konferenz eingesetzt worden, und auch die Russen hatten sich beeilt, ihrer Schaffung zuzustimmen, nachdem Marshall angedeutet hatte, daß er sich gezwungen sehen können die österreichische frage vor dem Forum der UNO-Vollversammlung zur Sprache zu bringen. Diese, Möglichkeit könnte sich eines Tages auch für den deutschen Friedens – vertrag ergeben. Gewiß geht die tiefe Spaltung, die zwischen der Sowjetunion mit ihren Satellitenstaaten und der übrigen Welt besteht wie – ein Riß auch mitten: durch die als völkerverbindende Einheit gedachte UNO. Das von Rußland im Sicherheitsrat immer Wieder eingelegte. Veto hat ihre Autorität schwer geschädigt. Dennoch kann den Russen, wenn sie im Spiel der internationalen Politik bleiben wollen, das Urteil der UNO nicht gleichgültig sein.

Sieben süd- und mittelamerikanische Staaten, Chile, Brasilien, Peru, Paraguay, Haiti, Honduras und Panama haben bereits die diplomatischen Beziehungen zur Sowjetunion abgebrochen, alle Länder des amerikanischen Kontinents,-mit Ausnahme von Kanada, das dem Verband des britischen Commonwealth angehört, haben zum ersten Male einen gemeinsamen Verteidigungspakt abgeschlossen, der deutlich unter dem Eindruck geschaffen worden ist, daß es einmal nötig, sein konnte, sich gegen eine russische Bedrohung zu wehren. Eine Verurteilung durch die Vollversammlung, der UNO, und wenn sie auch nur moralischer Art sein kann und die Machtmittel fehlen den Spruch durchzusetzen, würde für jeden Staat, und sei er auch noch so groß und hochgerüstet, einen empfindlichen Schlag bedeuten. Es ist auch heute nicht ratsam, sich außerhalb des allgemein anerkannten Rechts zu stellen. Sicherlich, ist es ein politisches Fehlurteil, wenn ein Staat glaubt, sich nur auf. seine materielle Stärke stützen zu können und sich erlaubt, die internationale Moral zu verachten. Ein solches materialistisches Denken hat vor kurzem drei große Reiche in eine tiefe Niederlage gestürzt. Wir in Deutschland haben allen Grund, uns daran zu erinnern, und aus dem Unglück, das die Politik einiger Besessener, über uns gebracht hat, für unsere heutige Lage Hoffnung zu schöpfen. Hoffnung auf eine Wiedervereinigung aller Zonen und auf einen Staat mit gerechten Grenzen, in dem alle Bcwohner die Segnungen des Rechts und der Freiheit ungehindert genießen können.