In einer Denkschrift "Zur Lage", die von der Volkswirtschaft! Gesellschaft (Hamburg-Altona, Völckersstraße 14) soeben herausgegeben worden ist. wird der – durchaus zutreffende – Standpunkt vertreten, daß die Lösung der Wirtschaftslähmung nicht durch Einzelmaßnahmen erzielt werden kann, sondern durch eine gleichzeitige Ingangsetzung der inneren Marktreform (die der Währungssanierung zu folgen – hätte), des freien Außenhandels und einer Islandskredithilfe. Wir veröffentlichen im folgenden einige Sätze der Denkschrift zum Thema Außenhandel

Die Verzögerung einer sofortigen. Einschaltung Deutschlands in den Welthandel ist in einem Augenblick nicht mehr zu vertreten, in dem es fraglich ist, ob die Besatzungsmächte die daraus resultierenden geldlichen. Verpflichtungen künftig zu tragen in der Lage oder bereit sein werden. Wenn seitens der Besatzungsmächte der deutsche Wunsch auf Beteiligung am Import bisher mit dem Hinweis-, abgelehnt wurde, daß die von Deutschland benötigten Nahrungsmittel, insbesondere die qualifizierten Nahrungsmittel, wie Fette und Öle, aber auch die entsprechenden Getreidemengen, noch gar nicht vorhanden seien, so beruht diese Ansicht auf einem Trugschluß. Es ist in der Wirtschaft gar nicht möglich, daß vor Einschaltung eines Großkonsumenten wie des deutschen Volkes die dafür benötigten Güter sich gleichsam in natura an bestimmten Stellen in der Weltwirtschaft ansammeln. Die marktwirtschaftliche Einschaltung Deutschlands in den Welthandel ist ferner deshalb erforderlich, um die Verbindung mit der Zahlungsbilanz und dem Haushalt-Etat der Besatzungmächte zu lösen und damit jene Nachfragekürzungen aufzufangen. die durch die Zahlungsbilanz- und Etatschwierigkeiten der Besatzungsmächte hervorgerufen werden. Es/steht sonst zu befürchten, daß in Konsequenz dieser Verhältnisse überall in der Welt für die deutsche Versorgung einsetzbare Produkttionsmöglichkeiten verschwinden und eine Schrumpfung der Welthandelsumsätze eintreten würde. Das Ingangkommen des Exports setzt eine innere Marktreform voraus, weil nur ein intakter innerer Markt jene Leistung erbringen kann, die für unser Exportvolumen Voraussetzung ist....

Das Interesse Deutschlands ist, wenn es richtig begriffen wird, marktwirtschaftlich gerichtet und befindet sich in Übereinstimmung mit den Handelsinteressen der Vereinigten Staaten von Amerika und allen westlich orientierten Ländern, die die Möglichkeit, Deutschland auf ein (maximal marktwirtschaftliches Verhalten im Außenhandel zu verpflichten; nicht versäumen sollten. Die von den Besatzungsmächten häufig angeführte Knappe hett auf dem Weltmarkt entsteht zum Teil weiter dadurch, daß man Deutschlands Versorgung auf wenige Standardprodukte, insbesondere Getreide, abdrängte, während zweifellos in anderen Produkten qualifizierterer Art erheblich mehr Möglichkeiten vorhanden sind, die nicht ausgeschöpft werden. Es würde der wichtigsten Aufgabe im Welthandel, marktwirtschaftliche Prinzipien sich durchsetzen zu lassen, widerstreiten, wenn Deutschland beim Import nur auf gewisse Grenzprodukte und beim Export nur auf einen gewissen Ergänzungsexport angewiesen bliebe. Die Eingliederung Deutschlands in weltwirtschaftliche Beziehungen läßt, sich, in dieser Begrenzung nicht durchführen.