Auch ein, Dollar-Land kann an Dollarknappheit leiden. DenBeweis liefert Kanada, dem es an Reichtum nicht gebricht das jedoch ohne eigenes Verschulden, einfach aus der Struktur seines Außenhandels heraus. in die Dollar-Pfund-Schere geratenist. "Wir, leben über die Verhältnisse unserer Kunden", erklärte sein Finanzminister Abbott und dachte dabei hauptsächlich an England. Der starke Anteil der Ausfuhr an der Bruttoproduktion Kanadas läßt die Verarmung der Kunden-sehr schnell spürbar werden. für.-1946 belief sich der Export nämlich auf fast einFünftel der Bruttoproduktion. Gegenüber 1938 hat Kanada einen gewaltigen Aufschwungseiner Produktion zu verzeichnen, wenn er auch nicht der rekordartigen Entwicklung in den benachbarten USA entepricht.Der Wert stieg um 120 v. H., das Volumen immerhin um 60 v. W. Der Wert der Ausfuhr jedoch hat sich in der gleichen Frist um 175 v. H. erhöht, und gegenüber dem Ausfuhranteil von 16 v. H. von 1938 ist also eine verstärkte Abhängigkeit vom Export eingetreten. –

Bisherbrauchte’sich Kanada darüber keine Sorgen en machen. Seine Exportprodukte waren überall sehr begehrt, Weizen und Speck, Holz und Metalle ebenso wie Viele Fertigwaren einer unter dem techmischen Einfluß der USA "weit entwickelten Industrie. Voraussetzung war jedoch die freie Verwendbarkeit der Ausfuhrerlöse, wie sie, vor dem Kriege bestand. Die Überschüsse aus den Verkäufen nach England waren mehr als ausreichend, Um das Defizit Im Außenhandel mit den USA zu decken. Heute aber ist das nicht mehr der Fall, Die englischen Bezüge aus Kanada haben sich im Kriege sehr erhöht, vor allem bei Nahrungsmitteln. Zweitens kann England die Wünsche Kanadas infolge der Schwierigkeiten seiner Exportindustrien längst nicht voll befriedigen. Deshalb muß. Kanada einen große" Teil seiner Lieferungen an England kreditieren. (Nach Kriegsende wurde England eine Anlege von 1250 Mill. Dollar eingeräumt, von der nur noch 280 Mill. Dollar übrig sind). Und schließlich mußte Kanada nicht nur in erhöhtem Umfange seinen Einfuhrbedarf aus den USA decken – zeitweise bis zu 80 v. H. sondern auch die Finanzierung selbst bestreiten. Dadurch haben sich seit Anfang 1947 die kanadischen Gold- und Devisenreserven von 1250 auf 500 Mill. Dollar verhindert, und Kanada mußte einen USA-Kredit von 300 Mill. Dollar in Anspruch nehmen.

Doch. Kredite können nur kurzfristig Linderung bringen. Das Handelsdefizit mit den USA für 1947 in Höhe von etwa 900 Mill. Dollar und der mindestens zur Hälfte kreditierte. Aktivüberschuß im Handel mit England von mehr als 600 Mill. Dollar, können auch von einem so reichen Lande wie Kanada nicht getragen werden. Man.ist daher zu drastischen Maßnahmen gezwungen worden, zu scharfen Einfuhrkürzungen und zu steifer Haltung bei den soeben beendeten Handelsvertragsverhandlungen mit England. Die Importverbote für einen beträchtlichen Kreis von Gütern werden nach kanadischer Ansicht bedeuten, daß man für drei bis fünf Jahre auf etwa ein Drittel der Einfuhren aus den USA verzichten mußund daß auch die Reisen in die USA über die wahrhaft grüne Grenze drastisch eingeschränkt werden. Zudem wird eine Verbrauchssteuer von 25 v. H. an einen Teil der kanadischen Produktion erhoben, teils um den Verbrauch von Einzelteilen-aus den USA einzuschränken, teils um kanadische Industrieprodukte für den Export freizumachen. Man verspricht sich davon eine jährliche Einsparung von 300 Mill. Dollar. Einige Hoffnungen werden auch auf erhöhte Ausfuhren in die USA auf Grund der in Genf Vereinbarten amerikanischen Zollsenkungen gesetzt. Aber so verzwickt ist die Stellung Kanadas zwischen den USA und England, daß eben die Einfuhrbeschränkungen zur Dollareinsparung sich ungünstig auf den englisch-kanadischer Handel auszuwirken drohen. Denn die lmportbegrenzung darf von Kanada nicht einseitig gegen die USA angewandt werden. Sie muß sich auch gegen gleichartige englische Lieferungen richten. Und damit wird England (in einem Augenblick, In den seine Exportindustrie lieferfähiger wird) die kanadische Einfuhrtür vor der Nase zugeschlagen, England, das bisherseine Lebensmittel aus Kanaca zur Hälfte aus dem Kredit, zur Hälfte in Dollar beglich, muß also seine Einfuhren aus Kanada kurzes. Das könnte sich für England noch recht erträglich gestalten; wenn es auf "teure" Lebensmittel verzichtete, aber unveränderte Mengen etwa an Weizen beziehen würde. Aber: Kanada hat seinen Weizenwesentlich unterm Weltmarktpreis geliefert und im – Austausch für dieses Entgegenkommen die Weizenlieferungen mit anderen Agrarprodukten gekoppelt, um für seine Landwirtschaft ein stabiles Erzeugungsprogramm über mehrere Jahre aufstellen zu können. Davon will es jetzt nicht abgehen und Kürzungen, nur am Gesamtprogramm, nicht an Einzelposten zulassen. Dieser komplizierte Knoten ließe sich nur mit Hilfe einer USA-Befeitschaft aufknüpfen, die kanadischen Einfuhrbeschränkungen für USA-Güter nicht auf die entsprechenden englischen Waren anzuwenden. Doch bisher spricht nichts für eine derartige Bereitschaft Washingtons. So mußte man sich mit einer Lösung behelfen, die England weitere Nahrungsmittellieferungen sichert, aber bis März 1948 ein Defizit für Kanada von 145 Mill. Dollar bringt. Was kann Kanada sonst zur Behebung seiner Dollarnote tun? Es hat bereits für die inländische Goldproduktion eine Prämie Von 7 Dollar über den offiziellen Preis von 35 Dollar je Unze für alles Angebot verkündet, die über die Erzeugung im Finanzjahr 1946/47 hinausgeht. Das ist natürlich eine begrenzte versteckte Abwertung, deren allgemeine offene Durchführung allerdings in Ottawa deshalb unbeliebt ist, weil sie zwar. die Einfuhren verteuern müßte, aber die Exporte deshalb vorerst nicht steigern könnte, weil ja Dollarknappheit der Kunden und nicht ihr Zurückschrecken vor. den hohen kanadischen Preisen (sieht Weizensubventionen für England) Anlaß der Absatzschwierigkeiten ist. So geht Kanada trotz internen – Reichtums und trotz aktiver Handelsbilanz mit einigen Bedenken ins neue Jahr, die nur durch die Hoffnung gemildert werden, daß auch Kanada von der Marshall-Hilfe profitieren werde: Natürlich nicht durch amerikanische Hilfelieferungen, wohl aber durch Verwendung eines Teiles der Marshall-Finanzen für die Aufkäufe kanadischer Waren zugunsten des notleidenden Europas.