Sie ist eine gute alte Bekannte des Zeitungsmannes, da sie alle paar Jahre wieder auf zutauchen pflegt: die Geschichte vom Weizen nämlich, der in Argentinien verbrannt werden muß – angeblich, weil die Preise in die Höhe getrieben werden sollen, weil es an Lagerraum für Getreide fehlt, oder an Schiffsraum für den Abtransport, und weil es anderseits an Kohle mangelt, so daß man nun "verständlicherweise" dazu übergegangen sei, den Weizen (mitunter heißt es auch: den Mais) zu brikettieren und unter den Kesseln oder auf den Lokomotiven zu verfeuern. So alt die Geschichte auch ist, so unglaubhaft sie auch klingen mag, besonders in dieser Zeit des "weltweiten" Mangels an Lebensmitteln und des Überflusses an Schiffsraum (mit 1,4 Mill. BRT aufgelegter Tonnage in den USA!) so sensationell wirkt sie doch immer wieder beim breiten Leserpublikum.

Diesmal sollte es sich um Getreide im Werte von einer halbenMilliarde Dollar handeln, dessen Verbrennung erfolgt oder, wie es in anderen Meldungen hieß, der argentinischen Regierung angeordnet sei. Aber die Geschichte stimmt nicht, wie die argentinische Botschaft in London feststellt. Gewiß hat Argentinien, als es während des Krieges von seiner normalen Brennstoffversorgung abgeschnitten war, zu der Notmaßnahme greifen müssen, den nicht absetzbaren Getreideüberschuß an Stelle von Kohle zu verfeuern. Von diesen unerfreulichen Reminiszenzen hatte der Präsident der argentinischen Wirtschaftsamtes, Miranda, bei irgendeiner Gelegenheit kürzlich wieder einmal gesprochen. Die Meldung einer amerikanischen Presseagentur hierüber ist verstümmelt und entstellt, in einem Teilder deutschen Presse (übrigens nicht in der "Zeit") wiedergegeben worden, in der Fassung, als ob es sich um eine Gegenwartsaktion handelte. Das ist also, wie vonbritischer Seite nochmals unterstrichen wird, nicht der Fall. Im Gegenteil: argentinisches Getreide kommt jetzt endlich auch nach Deutschland. Einstweilen besorgen noch die USA den Einkauf für die Westzonen. Es liegen aber auch unmittelbare Lieferangebote für beträchtliche Mengen an Lebensmitteln vor, die von den Besatzungsmächten noch geprüft werden, besonders hinsichtlich des Zahlungsmodus, der eine Abdeckung des zu gewährenden Lieferkredites durch später durchzuführende deutsche Industrie-Exporte vorsieht.