Doch ist der Gürtel von Satellitenstaaten, der sich in Europa um Sowjetrußland zieht, keineswegs nur eine Verteidigern gegen gegen freiheitliche westliche Ideen, er ist auch ein Ausbeutungsobjekt für die Sowjetunion. Diese früher einmal landwirtschaftlich reichen Gebiete leiden heute zum großen Teil Hunger, Selbst in einem so fruchtbaren und wohlbestellten Land wie Bulgarien haben die Bauern nicht genug zu essen, weil die Ablieferungen für den Export übermäßig hoch sind. Dieser Export geht fast ausschließlich nach Rußland, das dafür Rohstoffe zum Aufbau einer Industrie einführt, die ihrerseits wieder Fertigwaren nach Rußland liefern muß. In Polen arbeitet zwar die Industrie, insbesondere in den ehemals deutschen Betrieben-Oberschlesiens, die Felder aber liegen auf weite Strecken brach, und auf den Äckern der polnisch besetzten deutschen Ostgebiete steht das Unkraut übermannshoch. Es fehlt nicht nur an Menschen, um sie zu bestellen-, sondern auch an Ackergerät und Dünger. Rußland braucht in erster Linie Produkte der Schwerindustrie und ist an einer .Hebung der polnischen Landwirtschaft nicht interessiert..

Politische Offensive der Sowjets

Zugleich wird auch die Aufrüstung der Satellitenstaaten keineswegs vernachlässigt. Der Sicherheitsgürtel ist nicht nur Verteidigungszone und Ausnutzungsobjekt sondern auch Sprungbrett für. weitere, Angriffe. Bulgarien, Jugoslawien und Albanien haben den griechischen Aufruhr gegen die Athener Regierung nach einwandfreien Untersuchungen der UNO-Kommission durch Lieferung von Waffen und illegale Grenzübertritte begünstigt. Der Führer der griechischen Rebellen, General Markos, hat jetzt nach Moskauer Anweisungen eine-Regierung des freien Griechenlandausgerufen. Die Methode ist nicht originell, der weitere Verlauf ist leicht abzusehen. Die drei Balkanstaaten werden, sobald Moskau es befiehlt, die neue Regierung anerkennen, sie offen unterstützen, vor dem Sicherheitsrat verteidigen und ihr Waffenhilfe leihen, je nachdem, was der Kreml, der offiziell natürlich völlig unbeteiligt ist, für opportun hält. Daß dies ein Spiel mit dem Feuer, ist, weiß die Sowjetregierung zweifellos genau, doch hat die Entwicklung der letzten Zeit gezeigt, daß sie sich über die Tragweite ihrer außenpolitischen Methoden nicht immer im klaren ist.

Da wurde zum Beispiel die Kominform gegründet, was an sich völlig überflüssig war, denn daß die kommunistischen Parteien auch, ohne sie Moskauer Befehle genau ausführen, hat erst kürzlich die Entwicklung in England gezeigt wo die Kommunisten, die der Kominform nicht angehören, seit etwa einem Vierteljahr von Moskau straff an den Zügeln’ genommen worden sind und aufgehört haben, wie bisher eine englische Politik zu treiben. In Wahrheit hätte die-Gründung der Kominform nur den Zweck, den Westmächten einen Schreck, einzujagen, nicht anders als die Schimpfkanonaden von Wischinsky. in der UNO und von Molotow in London. Der Schreck ist ausgeblieben. Statt dessen ist die antikommunistische Bewegung nicht nur bei den Regierungen und Parlamenten sondern auch bei den Gewerkschaften so gewachsen, daß man in diesen so sehr friedliebenden Ländern bereits vom Krieg als einer ultima ratio spricht Da waren weiter die Befehle, die die Kommunisten in Frankreich und Italien zu Beginn der Londoner. Konferenz auf die Straße riefen. Ein kleiner Anfangserfolg. war hier allerdings nicht zu leugnen. Vierzehn Tage lang waren Bevin und Marshall in ihrer Handlungsfreiheit behindert, weil sie nicht wußten, ob am nächsten Tage vielleicht Thorez an Stelle von Bidault am Verhandlungstisch sitzen wurde. Dann bewies der alte Satz seine Richtigkeit, daß in Frankreich verliert, wer zuerst auf die Straße geht. Der Streik brach zusammen. Die Regierung Schumann, die das Kabinett Kanadier abgelöst hatte, ging verstärkt aus dem Machtkampf hervor. Die französischen Gewerkschaften spalteten sich, und in Italien überwand der klügere de Gasperi den klugen Togliatti und bildete ein neues Kabinett auf verbreiterter sicherer. Grundlage, Auch General de Gaulle wird vermutlich neue Anhänger gewonnen haben. Die überflüssigen Streiks haben die antikommunistischen Kräfte in beiden Ländern gestärkt.

Es ist nicht zu erwarten, daß ein so erfahrener Mann wie Molotow diese Folgen nicht übersähe, Doch gibt es in Rußland offenbar eine andere Richtung, die durch die Namen Schdanow und Beda charakterisiert wird. Eine Richtung, die sich nicht scheut, Öl in jedes Feuer zu gießen, und die angesichts der Zurückgezogenheit des wegen seiner Vorsicht bekannten Marschalls Stalin scheinbar an Einfluß gewonnen hat Das ist um so gefährlicher, als es außer in Europa und China noch andere Stellen, in der Welt gibt, an denen es zu einer Explosion kommen könnte. Da ist noch Persien; wo das Parlament den Vertrag über die Ölkonzessionen, die Ghavram es Sultaneh im Jahre, 1946 versprochen hatte, nicht ratifiziert hat, worauf die Russen bisher mit Zurückhaltung reagiert haben. Und da ist ferner: Palästina.

Die Entwicklung in Asien

Palästina ist englisches Mandat. Aber die Engländer haben angesichts der Unmöglichkeit, die militanten Gruppen der Juden mit den extremen Nationalisten unter den Arabern zu versöhnen der UNO mitgeteilt, daß sie – müde der vielen ehrlichen Versuche, zu einer Befriedung des Landes zu gelangen – das Mandat zum 15. Mai 1948 aufgeben, würden. Die UNO-Vollversammlung hat darauf, beschlossen, Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Staat aufzuspalten, und zwar in einer reichlich unglück lichen Weise: die sich aus der Art der Besiedelung ergibt, so nämlich, daß die einzelnen Teile der beiden neuen Staaten flächenmäßig zusammenhangslos durcheinander liegen.