Unter den Formen des Öffentlichen Lebens, die seit Kriegsende wieder entstanden sind; ist die lose Form des Vereins, der Gesellschaft bemerkenswert selten. Die festgefügten Organisationen der Parteien und Verbände beherrschen das Bild. Ihre politischen oder ökonomischen Aufgaben sind im allgemeinen von vornherein ebenso festgelegt, wie ihre Programme und Tendenzen. Starre Fronten und voreingenommene Urteile, sind die Folge. In dieser Atmosphäre kann sich ein Gespräch nur um der Sache, um der Klärung, der Gedanken willen, nicht leicht entwickeln.

Um so mehr es zu begrüßen, daß eine Reihe führender Unternehmer zusammen mit einigen Politikern aus ganz Deutschland die Initiative, ergriffen und eine Diskussionsbasis für die großen wirtschaftspolitischen Fragen geschaffen haben;

Zwei Gedanken stehen im Mittelpunkt der von der "Wirtschaftspolitischen Gesellschaft von 1947" vorgelegten Grundsätze: Soziale Verständigung und wirtschaftliche Freizügigkeit. Damit sind zweifellos die beiden entscheidenden Probleme der gesamten künftigen Entwicklung genannt. Insofern enthalten die "Grundsätze" also bereits eine klare und ziemlich weitgehende Zielsetzung: "Der Staat muß sich auf die Lenkungsmaßnahmen beschränken, die von einzelnen nicht gelöst werden können. Staatliche Wirtschaftsplanung als wirtschaftspolitisches Prinzip ist abzulehnen. Den Grundsitzen der Marktwirtschaft: freie Konsumwahl, Freizügigkeit und freie Berufswahl als Voraussetzungen des wirtschaftlichen Wettbewerbs muß auch schon in der Mangelwirtschaft möglichst weitgehend Geltung verschafft werden. Privateigentum und Erbrecht sind entscheidende kulturfördernde Grundlagen des wirtschaftlichen Streben. Die Sach- und Geldeigentümer haben aber gegenüber der Gesamtheit die Pflicht an den Schäden mitzutragen, die durch Krieg und Maßnahmen der Siegermächte entstanden sind. Überführung von Privateigentum in die öffentliche Hand, soll, nur dann erfolgen, wenn volkswirtschaftliche Aufgaben anders nicht zu erfüllen sind. Die rechtliche und betriebswirtschaftliche Verantwortung der Unternehmensführung muß unteilbar bleiben. Nur durch Steigerung der Erzeugung ist eine Hebung des Lebensstandards der breiten Massen zu erreichen. Alle Maßnahmen hierfür, insbesondere die Wiederherstellung des Geldes müssen den Vorrang genießen vor allen anderen wirtschaftspolitischen Maßnahmen."

Diesen Gedanken liegt eine Konzeption von der Ordnung des Wirtschaftslebens zugrunde, die, von einigen Universitäten ausgehend, allmählich ein immer größeres. Echo findet und die sachlich längst überholten Vorstellungen von Planwirtschaft und Staatskapitalismus eines Tages auch politisch ablösen wird. Vom klassischen Liberalismus ebensoweit entfernt wie vom Marxismus, geht die moderne Idee der Marktwirtschaft, die in anderen Ländern heute schon weiter entwickelt ist Ins in Deutschland. von der Notwendigkeit einer freien Preisbildung auf dem Markt aus. Ihr Organisationsprinzip ist der Wettbewerb, das heißt die unbehinderte Leistung. Damit ist die grundsätzliche Gegnerschaft zu Monopolstellungen ebenso gegeben wie zu allen anderen Maßnahmen, die die Produktion beschränken und die Preise überhöhen. Während die Planwirtschaft grundsätzlich abgelehnt wird, soll eine wirksame staatliche Wirtschaftspolitik die Vollbeschäftigung sichern und die Freiheit des Wettbewerbs garantieren. – Die weitere Entwicklung der Gesellschaft wird Wichtige Aufschlüsse darüber geben, ob die Initiative, des deutsehen Unternehmertums "wesentlich weiter reicht als nur zur Gründung des neuen Vereins und wieviel Wahres an der Behauptung ist, daß die Unternehmer müde geworden seien. Der Weitblick und das wirtschaftspolitische Interesse fehle ihnen Im allgemeinen ebenso, heißt es, wie Aktivität und Stoßkraft in allem, was über den eigenen Betrieb hinausgeht. Aber auch im eigenen Bereich sei, vor allem unter dem Eindruck der staatlichen Reglementierung, Neigung zu verwalten und zu erhalten ständig im Zunehmen. H. F.-W.