Der Beitrag des Bremer Künstlertheaters zur Neuordnung des Menschenbildes, das zwischen ratio und religio pendelt, hat sich von Spielzeit zu Spielzeit vergrößert. Und der Dichter Hermann Mostar hat seinen Beitrag dazugegeben. Dem "Meier Helmbrecht" folgte ein Spiel um die Geburt Christi; ein Spiel ohne Absicht, das nach des Autors eigenen Worten, allein, aus, einer Einsicht herausgeschrieben wurde einer Einsicht, die die Seele des geschlagenen Volkes ausleuchten soll.

Die Handlung, die sich in großen Zügen an die Bilder der Christi-Geburt-Zeit hält, ist durchglüht, von einer oft mystischenTransparenz, die zerrissen wird von blutigroten Blitzen unserer Gegenwart: da ist ein kriegerisches Volk, da ist der Glorienschein falscher Macht, die Geschichte eines einfachen Heimkehrers und das Schicksal der Greuzlanddeutscher. All dies ist gebannt in die Wucht einer überzeugenden Metamorphose, die sprachlich leider zum Teil im Deklamatorischen versinkt und im Schlußbild zu so gedanklicher Breite auswächst, daß die einfache, ja fast natuhaftprimitive dichterische Aussage zerstört wird.

Was Fillis van Rappards impressiver Regiestil darstellerisch herausmeißelte, (im Herodes zum Beispiel fast zu grob) bröckelt im sechsten Bild das noch einmal alle Darsteller in einer großangelegten, von einem chorhaften Charakter getragenen Massenszene vereinigt – von Satz zu Satz weiter ab, bis vor einem nackten Gedankengerüst der Vorhang fällt. Das Premierenpublikum verließ daher peinlich berührt das Theater.

Und dennoch darf Mostar für sich beanspruchen, etwas Entscheidendes erkannt zu haben: nämlich, daß die Krisis des europäischen Geistes eine Krisis des Glaubens ist, der über den Konfessionen steht und zur Synthese von Humanitas und Christentum mahnt eine Synthese, wert, daß jeder sie sich erkämpfe! Kurt Reuter