Das Kontrollratgesetz Nr. 61 über Einkommensteuer, Körperschaftsteuer und Gewinnabführung sieht zwar nicht – entgegen ersten irreführenden Nachrichten am Weihnachtsabend – neue Steuererhebungen vor. Es handelt sich vielmehr nur um eine Neuformulierung des Kontrollratgesetzes Nr. 12 und fundiert die Übergangsregelung der schon seit langem zur Anwendung kommenden Erhöhung der Sätze für die Lohnsteuer um 25 Prozent und für die veranlagte Einkommensteuer um 35 Prozent. Die Lohnsteuer darf dabei in keinem Falle weniger als 110 Prozent der Steuerschuld nach den am 8. Mai 1945 geltenden Sätzen betragen, die veranlagte Einkommensteuer in keinem Falle weniger als 115 Prozent. Für die freien Berufe kommt dabei die Gleichstellung mit den Lohnsteuerpflichtigen in Fortfall. Sie unterliegen nunmehr der Erhöhung um 35 Prozent für veranlagte Einkommensteuer. Der in der britischenZone bisher übliche steuerfreie Abzug von 39 RM darf nicht mehr erfolgen; dafür sind abzugsfähigeWerbungskosten und Sonderausgaben erweitert worden, u. a. auf Beiträge zu Berufsverbänden und Fahrtkosten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. – Die Unangenehme Überraschung dieses Gesetzes liegt in der festeren Verankerung der als Übergang gedachten, außerordentlich hohen Steuerlast. Sie überrascht die Steuerpflichtigen und die Steuerfachleute deshalb gleich stark, weil man parallel zum Herannahen der Geldreform auf eine Steuerreform, sei es auch zunächst nur für die Westzonen, gerechnet hatte,die der auch durch den gegenwärtigen Steuerdruck mit bedingten Arbeitsunlust ein Ende bereiten würde. Dieser Ruf nach Steuerreform zugleich mit der Geldreform darf weder durch die Forderung zur Beseitigung überschüssiger Kaufkraft noch durch die hohen Aufwendungen für eine mehr als alles andere gewachsene Bürokratie und die zusätzlichen Kosten der Besatzumg erstickt werden. Andernfalls müßte sich die Steuerlast auch nach der Geldreform hemmend auf die Leistungsfreude von Arbeitnehmern und Unternehmern legen. eg.