Von Evi Underhill

Selt dem Zusammenbruch der Außenministerkonferenz ist der Kampf zwischen Ost und West von der internationalen Londoner Bühne in die Ebene der individuellen Länder zurückverlegt worden und jedes Land versucht nun, sich innerhalb seiner Grenzen von feindlichen Einflüssen zu befreien. Im Osten wird ein stärkerer Zwang als je zuvor auf die sozialistischen Parteien- ausgeübt und die Tage der Unabhängigkeit – der polnischen Sozialisten sind vermutlich gezählt. Im-Westen hat sich ein Teil dieses Kampfes schon während der Außenministerkonferenz abgespielt; die Koalitionsregierungen. in Italien und Frankreich sind die ersten Meilensteine die den "Weg nach Rechts" markieren – eine Reaktion auf die kommunistische Tätigkeit im Westen.

In England war die Situation bisher grundverschieden von der des Kontinents. Eine kommunistische Gefahr gab es nicht da die Partei selbst nach Abgaben der Kommunisten nur 40 000 Mit- – glieder zählt. Trotzdem hatte die Arbeiterpartei es vor zwei Jahren abgelehnt, mit den Kommunisten zusammen zu arbeiten und ihren Mitgliedern verboten, in irgendeine kommunistische Organisation einzutreten. Es war jedoch stets möglich – obgleich dies eigentlich, inkonsequent erscheint –, daß Kommunisten Mitglieder der Gewerkschaften, ja sogar Gewerkschaftsführer werden konnten. Arthur Horner, der Führer der wichtigsten Gewerkschaft, nämlich der,der Bergarbeiter, ist Kommunist. Aber selbst der Kommunismus ist in England anders als im restlichen Europa. Bis vor kurzem war der englische Kommunist immer, zuerst Engländer und erst in zweiter Linie Kommunist; man hat oft scherzhafter Weise gesagt, daß es im Parlament nur einen kommunistischen Abgeordneten gäbe, Piratin, und daß Gallacher ein versteckter schottischer Nationalist sei. Man solle mal wagen, die Schotten anzugreifen...

So hat auch Arthur Horner während der großen Streiks in den englischen Bergwerken im Frühjahr gegen die streikenden Bergarbeiter Stellung genommen und sich mit der Regierung solidarisch erklärt, als er verkündete, daß die Arbeiter, die sich weigern sollten, zur Arbeit zurückzukehren, fristlos.entlassen würden.

Aber die letzten Ereignisse in Frankreich haben auch die Engländer beunruhigt und langsam erwacht das Gefühl, daß England heute viel zu europäisch geworden ist als daß es verantworten könne, nichts gegen diese Gefahr zu tun. Einer der ersten Redner der diese Frage öffentlich aufwarf, war der am rechten Flügel stehende Abgeordnete der Arbeiterpartei. Raymond Blackburn, der daraufhin mehrfach als Verräter und Reaktionär. angegriffen wurde.

Eine sensationelle Rede, die der Gewerkschaftsführer Arthur Deakin zwei Wochen später hielt, ist von den größeren Ereignissen der Außenministerkonferenz so überschattet worden, daß ihre Bedeutung den meisten entgangen’ ist: "Wir können es uns nicht leisten", so sagte er, den Kommunisten die Möglichkeit zu gewähren, die Gewerkschaften erfolgreich zu dominieren. Wir dulden auch nicht die andauernden Einmischungen der Kommunistischen Partei". Am nächsten Tag erklärte dann Morrison, der Führer der Arbeiterpartei "Bei dieser Gelegenheit möchte ich gern – meinem Freund Arthur Deakin gratulieren zu seiner klugen und mutigen Rede, in der er die Gewerkschaftler vor kommunistischen Verschwörungen warnte", und Morgan Philipps, der Generalsekretär der Arbeiterpartei, hat alle Mitglieder seiner Partei aufgerufen; "einen großen Feldzug gegen kommunistische Intrigen und die Infiltration in die Arbeiterbewegung zu unternehmen"

Es ist schwer zu sagen, Von welcher Seite in diesem Fall die Provokation ausgegangen ist und ob es überhaupt ein geeigneter Moment war, das Problem aufzuwerfen. Aber die Kampfansage der Sozialisten an die Kommunisten, ist und bleibt eine Tatsache, die wohl nur als eine verspätete Reaktion auf die Gründung der Kominform in Belgrad zu erklären ist. Wie ist es nun aber möglich, daß die Kommunisten in den englischen Gewerkschaften so einflußreich, geworden sind.