In der vergangenen Woche wurde im Hamburger Hafen gestreikt Gleichzeitig fanden Streiks in Solingen, Oberhausen, Köln, Hagen, Düsseldorf, Essen und München statt. Der Streik ging von Ben nichtständigen Arbeitern im Freihafen aus, die sozial am schlechtesten gestellt sind. Sie forderten eine 30prozentige Löhnerhöhung, Belieferung der Schwerarbeiterkarten sowie bevorzugte Ausgabe von Kleidern-und Schuhen!

Der Hainburger Streik war ein wilder Streik, Er brach über Forderungen aus; die von den Gewerkschaften bereits seit dem 7. Dezember mit den Besatzungsbehörden und den zuständigen deutschen Stellen verhandelt werden. Die wichtigsten. dieser Forderungen hatten die Gewerkshaften bereits durchgesetzt: die unständig beschäftigten Hafenarbeiter sollten einen Mindestlohn von fünf Tagen als feste Verdienstbasis erhalten. Dadurch wird nicht nur ihre materielle Existenz gesichert, sondern sie werden auch, was im Betrieb des Hafens sehr wichtig ist, zu einem Stamm von festen Arbeitskräften, der jederzeit im Interesse der-schnellen Beladung und Löschung derSchiffe zur Verfügung steht. Den Arbeitern war die Erfüllung dieser, ihrer Forderungen rechtzeitig bekanntgegeben. Dennoch begannen sie zu streiken. 5000 unständige sowie 1000 feste Hafenarbeiter erklärten in dem Augenblick, als Are Forderungen bewilligt wären! sie seien am Ende ihrer Kraft. Die Gewerkschaften lehnten daher den Streik als illegal ab. In einer Versammlung der Gewerkschaftsfunktionäre des Hafens kam es nach vierstündiger Diskussion bei geheimer Abstimmung nicht zu der notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit,-die die den Streik legalisiert hätte: Daraufhin wurde der Streik abgebrochen.

Die Folge des Streiks war, daß 65 Dampfer nicht gelöscht werden konnten. Darunter waren viele, die Lebensmittel geladen hatten, Kokosöl, Schmalz, Zucker, Getreide-und Kartoffeln. Der Streik, der so wie die Dinge lagen, den Arbeitern keine Vorteile bringen konnte, die ihnen nicht bereits zugestanden waren, hat also die Lebensmittelversorgung von Deutschland geschädigt. Esliegt die frage nahe, wer eigentlich ein Interesse daran haben konnte, diesen Streik zu inszenieren. Im Streikkomitee selber waren nur wenige unbedeutende Funktionäre; es waren Betriebsrats-Mitglieder, die in der Mehrzahl bisher nicht politisch hervorgetreten waren. Nur zwei von ihnen waren überhaupt dem Ortsausschuß des Gewerkschaftsbundes bekannt. Dafür nahmen aber Sendboten aus Kiel und Bremen an der entscheidenden Funktionärversammlung der Hafenarbeiter in Hamburg teil. Es ist daher nicht uninteressant, daß zwei Hamburger Kommunisten, Bernsee von der Deutschen Werft, die sich dem Streik der Hafenarbeiter anschloß, sowie Korthaus, der bis vor kurzem, im Personalamt der Hamburger Kommunistischen Partei tätig war auf der SED-Schulungsbarg Liebenwalde ausgebildet worden sind. Die Fäden zur Ostzone sind sehr dicht gesponnen. Inwieweit eine direkte Telephonleitung zwischen Hamburg und Berlin dabei eine Rolle spielt läßt sich dokumentarisch nicht feststellen. Die führenden Funktionäre der KPD distanzieren sich einstweilen offiziell Von den illegalen Handlangen. es ist ohnedies sehr die Frage, wieweit sie wirklich die geistigen Führer der westlichen Ableger dieser östlichen Partei sind.

Das Ziel der Aktion dürfte ziemlich klar sein. Die SED hat die Anweisung erhalten, auf jede Weise den Marshall-Plan zu bekämpfen. Uni die Verhandlungen im Kongreß zu beeinflussen, soll Unruhe in den Weststaaten Europas hervorgerufen werden, damit die Abgeordneten davon überzeugt, werden, daß es keinen Sinn habe, Gelder, für die Europahilfe angesichts der kommunistischen Gefahr zu bewilligen.

Die Schlüsselstellungen, für die deutsche Wirtschaft sind die Häfen und das Ruhrgebiet. Jede Arbeitsniederlegung in diesen Bereichen muß die so sehr empfindliche Wirtschaft gefährlich treffen und die Lebensmittelversorgung stören. Statt also den Arbeitern zu helfen können solche Streiks ihre Lage nur verschlechtern. Aber durch örtlich aufflammende. Streiks soll der Boden immer mehr aufgelockert werden mit dem Ziel, ein allgemeines Chaos herbeizuführen; das dann zu einem großen Aufstand führen könnte.

Der Hamburger Fall zeigt, daß die Gewerkschaften die Interessen der Arbeiter sachlich und energisch vertreten. Auf ihr Betreiben wurde Hamburg im Mai vorigen Jahres, zum Notstandsgebiet erklärt. Es ist nicht ihr: Verschulden-, daß seit Wochen die Fett- und Kartoffelabschnitte der Lebensmittel- und Zusatzkarten nicht beliefert werden und die Hafenarbeiter in mangelhafter Kleidung und zerrissenem Schuhwerk die Schiffe entladen müssen. Wenn die Gewerkschaften in Zukunft die Interessen ihrer Mitglieder mit Erfolg vertreten sollen, ist es allerdings nötig, daß sie hierin nicht nur von den deutschen Behörden, sondern vor allem auch von der Besatzungmacht unterstützt werdet. Den Hamburger Hafenarbeitern ist jetzt versprochen worden, daß innerhalb eines Monats die Gewerkschaften ihnen nachweisen werden, daß sie, alles getan haben, was gerechterweise von ihnen verlangt werden kann, um ihre Forderungen durchzusetzen. Man wird hoffen dürfen, daß ihnen die Möglichkeit dazu nicht verweigert wird. –n