Von Erich Schmarje

Die Tatsache, daß für den Wiederaufbau unserer zerstörten Städte bisher praktisch fast nichts geschehen ist, ist bedrückend; bedrückend aber auch die Ungewißheit, in welcher Form sich der Wiederaufbau vollziehen könnte. Denn wenn wir uns gelegentlich mit dem Wunschbilde beschäftigen, unsere Großstädte in neuer Ordnung und Schönheit wieder erstehen zu sehen, dann drängt sich uns die etwas belästigende Frage auf: wird es möglich sein, unsere Häuser, die Wohnhäuser ebenso wie die Geschäftshäuser, in altgewohnter, 6Sölider Handwerksarbeit aufzubauen, oder werden wir uns mit der Seelenlosigkeit schematisch gleichförmiger Straßenbilder abfinden müssen, die uns eine moderne Montagebauweise aus fabrikfertigen, genormten Bauteilen bescheren könnte?

Steht uns denn nun wirklich so Grausiges bevor, Wie der stets zum Pessimismus neigende Ästhet

klassischer Prägung uns einreden möchte? Dies muß man nicht unbedingt bejahen. Natürlich werden wir gezwungen sein – zwar nicht von teilte auf morgen, aber schrittweise –, die alte handwerkliche. Herstellung von Mauerwerk aus Ziegelsteinen aufzugeben, einmal, weil wir auf Jahre hinaus nicht genügend gelernte Handwerker

Mir Verfügung haben werden, und zum anderen, weil des Wiederaufbau des fehlenden Wohnraumes – um uns auf diesen zu beschränken – ohne die Zuhilfenahme maschineller Fabrikationsmethoden viel zu lange dauern würde.

In den, besten Jahren unserer Bautätigkeit konnten beispielsweise in Hamburg bei vollausgenutzter, sehr gut ausgerüsteter Bauwirtschaft rund 10 000 Wohnungen – im Mittel 3-Zimmer-Wohnungen – int-Jahr erstellt werden. Man kann sich – also leicht ausrechnen. welche; Zeit der Neubau der zur Zeit in dieser Stadt etwa fehlenden 250 000 Wohnwagen in Anspruch nehmen würde, selbst wenn die Bauwirtschaft wieder voll tiefe und alle Baustoffe zur Verfügung ständen, die für eine handwerksgerechte Ausführung von Wohnhäusern notwendigerweise gebraucht.

Was muß also geschehen? Zunächst kann man mit dem, irgendwann einmal, zur Verfügung stehen-, den Material aller Kategorien – außer dem Holz – sehr viel weiter kommen, wenn man die Größe der Wohnungen nach Zimmerzahl und Wohnfläche zugunsten der Anzahl der neu zu erstellenden Wohnungen stark einschränkt, und ‚ das wird geschehen. Sodann muß man die Arbeitsleistung der Maschine einsetzen, um mengenmäßig das zu schaffen, was in der gleichen Zeit mit Menschenkräften niemals zu bewältigen wäre. Das bedeutet natürlich eine Typisierung der Bauweise. Alle bekannten Industriezweige sind diesen Weg vom Handwerk her gegangen, nur die Bauwirtschaft nicht; alle Industrien sind gut dabei gefahren, auch die Verbraucher. Warum sollte die Sauwirtschaft nicht denselben Weg gehen?