Die jetzt vorliegenden Anlandungsziffern der deutschen Fischdampferflotte für 1947 sind ein überzeugender Beweis für die Anstrengungen, die unsere Hochseefischerei in der Jagd nach dem "schwimmenden Fleisch" und damit nach dem wichtigen Eiweiß aus dem Meer unternommen hat. Oftmals aber blieben diese Anstrengungen ohne Erfolg, wenn die Fischdampfer untätig im Hafen bleiben mußten, weil Bunkerkohle oder Eis fehlten, oder weil Ersatzteile für die meist schon überalterten Dampfer nicht rechtzeitig beschafft werden konnten.

Trotzdem darf die deutsche Hochseefischerei mit einem gewissen Stolz auf das Jahr 1947 zurückblicken: Hatte sie 1946, im ersten normalen Fangjahr nach der Kapitulation, nur rund 31 v. H. der Anlandungen von 1938 einbringen können, so steigerte sie dieses Verhältnis im Jahre 1947 auf 38 v. H. Dieser bescheidene Erfolg, der zumal auf die unermüdliche Arbeit der Reparaturwerften und der Fischdampferbesatzungen zurückzuführen ist, darf aber nicht über das ohne Zweifel erschreckende Absinken der Anlandungen gegenüber dem letzten Friedensjahr hinwegtäuschen. Auch das Jahr 1948 wird darin noch keine grundsätzliche Besserung bringen können. Dazu sind neue Fischdampfer notwendig. Und die ersten Dampfer der Neubauserie, deren Kiele kürzlich gestreckt wurden, können nicht vor dem Frühjahr 1949 ihre Jungfernfahrt antreten. – Die Zahl der in Fahrt befindlichen Fischdampfer, Heringslogger und Hochseekutter hat sich im vergangenen Jahr durch Rückgaben der Besatzungsmächte, Umbauten und Reparaturen etwas gebessert. Einige Dampfer sind noch zum Minenräumen kommandiert; zehn weitere werden im Ausland zurückgehalten. Es ist nicht bekannt, ob mit ihrer Rückkehr zu rechnen ist.

In den bisherigen drei deutschen Hochseefischmärkten ergibt sich für das Jahr 1947 nachstehendes Bild der Dampferanlandungen:

Das Schwergewicht der deutschen Hochseefischerei liegt bei den Fischdampfern; daher geben diese Ziffern ein durchaus anschauliches Bild über die Lage der deutschen Fischerei. Durch die Anlandungen der Hochseefischkutter, der Küstenkutter und schließlich durch die im vergangenen Jahr sehr günstigen Anlandungen im Bereich der Ostsee werden sich die Gesamtanlandungsziffern noch etwas erhöhen. Jedoch wird sich das Bild im Verhältnis zu 1938 nicht wesentlich verändern. Es zeigt, daß Deutschland mit dem Fangergebnis des Jahres 1947 auf den Stand seiner Hochseefischerei in den Jahren von 1929 bis 1930 zurückgeworfen wurde.

Genaue Ergebnisse über die Anlandungen der Fischerei im Bereich der sowjetischen Besatzungszone, die nur mit Kuttern betrieben wird, liegen noch nicht vor. Die Vorkriegsanlandungen dieses Gebietes beliefen sich auf etwa 10t–12 000 Tonnen. Für 1947 betrug das Soll für die Seefischerei in Mecklenburg-Vorpommern 18000 Tonnen. Da jedoch im vergangenen Jahr die erwarteten Heringsschwärme in der Ostsee ausblieben, dürfte dieses Soll nur zu rund 80 v. H. erfüllt worden sein.

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Die drei traditionellen deutschen Hochseefischmärkte Wesermünde, Cuxhaven und Hamburg-Altona haben jetzt einen Bruder bekommen, die Stadt Kiel, die gemeinsam mit Schleswig-Holstein seit Jahr und Tag einen harten Kampf um die Anerkennung ihres Fischmarktes führen mußte. Dieses Ringen ist nun zugunsten von Kiel entschieden, und Kiel geht mit großer Initiative an die neue Aufgabe heran.