In den letzten Monaten konnte man in ausländischen Zeitungen viel von den Freundschaftszügen lesen, die durch die Vereinigten Staaten fuhren und an zahlreichen Stationen hielten, langen Güterzügen, für die jeder, der wollte, freiwillige Gaben abliefern konnte, die Notleidenden in -Frankreich und in Italien zugute kommen sollten. Es war und Sammlung, die sich um Hilfe an einzelne Menschen wandte, um Hilfe für unbekannte Empfänger, nicht für Verwandte, Freunde, politische Parteien oder religiöse Gemeinschaften, zu denen eine persönliche Beziehung besteht und von denen ein persönlicher Dank erwartet werden kann, eine Hilfe also, die neben der großen Care-Paket-Aktion einhergeht und die erst / recht außerhalb des Programms des Marshall-Plans steht. Es wird in den USA bereits sehr viel für die Hungernden in Europa getan, und so war man zunächst vorsichtig gewesen und hatte nur einen Zug von 50 Wagen fahren lassen, doch als schließlich die Gaben New - York erreichten, da waren es 450 Wagen geworden, die alle voll geladen hatten.

So schön die Geschenke sind, noch schöner ist die Gesinnung, aus der sie gegeben wurden. – Da berichten etwa die Dallas Morning News von dem Farmer David White aus der Kansas-Weizen-Prärie, der mit seiner Frau nach Dodge City fuhr, um 5 Wagen mit Weizen im Wert von 20 000 $ füllen zu lassen, Gewiß, die Ernte dort ist in den letzten Jahren gut gewesen. Aber White, der seinen Boden seit 42 Jahren bestellt, weiß genau, daß in trockenen Zeiten der Wind den Staub hochwirbelt über Äckern, auf denen nur wenige Halme stehen; er weiß, daß Weizenbau in einem Jahr Reichtum bringen kann, und im nächsten Bankerott bedeutet. Vielleicht wird das Land bald wieder schwarz sein von Staub, der die Lungen verklebt. Dann würde er die 20 000 $ gut brauchen können; aber er dachte, "anderen geht es nicht so gut wie uns heute und nächstes Jahr ist nächstes Jahr."

Wie er haben viele gedacht, und die Botschaft der Nächstenliebe hat in den Herzen der Menschen in Frankreich und in Italien ein schönes Echo gefunden. Mit Jubel sind die ersten Schiffe begrüßt worden, die in die Häfen einliefen. Es war ein heller Akkord des Friedens, der den Mißklang des täglichen Streits und Gezänks unterbrach. Müssen wir nicht wehmütig werden, wenn wirsolche Berichte lesen, wenn wir sehen, daß wir außerhalb der Gemeinschaft der Alliierten stehen? Ist es nicht bitter, erkennen, zu müssen, daß unser aus diesem – Grund nicht gedacht werden kann. wenn Menschen sich Brüder fühlen? Die so fragten, hatten zu wenig Hoffnung.

Am 5. Januar ist in Bremen ein Schiff eingelaufen, das außer 30 000 Care-Paketen 5000 t schweren Winterweizen enthielt, der von Farmern. aus den nordwestlichen Staaten – der USA gesammelt worden ist für Notleidende in den drei westlichen Zonen Deutschlands und in Berlin. Mr. Thomas F. H. Dull, der Direktor der Militärregierung in Bremen, wies in seiner Begrüßungsansprache darauf, hin, daß die Sendung von Philadelphia abgegangen sei, der "Stadt der brüderlichen Liebe" – the City of Brotherly Love; die Spende verleihe der amerikanischen Überzeugung Ausdruck, daß nur durch freundschaftliche Zusammenarbeit, und indem man miteinander teilt, die Einigkeit der Welt erreicht und der Frieden behauptet werden könne. Die Sammlung bei den Farmern ist Von der CROS (Christian Rural Overseas Service) durchgeführt worden, die Verschiffung übernahm die CRALOG (Comittee of Remittence of American Labour for Germany), und die Verteilung ist dem evangelischen Hilfsdienst übertragen worden. ‚Wie Mr. Burke von der CRALOG uns mitteilt, ist diese Spende außerhalb der Aktion der Freundschaftszüge – erfolgt, von der auch Deutschland und Österreich noch einen Teil erhalten sollen.

So sind denn auch wir in das anonyme Werk brüderlicher Liebe einbezogen, das "von Bürgern der Vereinigten Staaten ins Leben gerufen worden ist. Wir sollten alle einen Augenblick unseren Tageslauf unterbrechen, um darüber nachzudenken, was dies, so wenige Jahre nach einem mörderischen Krieg voller‘ Greuel und Verbrechen, bedeutet. Es ist ein Triumph der Menschlichkeit, wie wir ihn uns so schön nicht leicht denken konnten. Gewiß ist noch viel Haß. in der Welt, werden noch viele Menschen von bitteren, Gefühlen bewegt Aber um so heller leuchten Güte und brüderliche Liebe, für die diese Spenden ein sichtbares Zeichen sind, und um so größer ist unser Dank. Tgl.