Deutsche Erstaufführung in Bremen

Die deutsche Erstaufführung des seit acht Jahren ununterbrochen in New York gespielten amerikanischen Lustspiels "Der Herr im Haus", von Lindsay und Crouse im Bremer Künstlertheater, trug die Zeichen eines besonderen Abends. Trotz des männlich betonten Titels handelt es sich hier zweifellos um ein Mutterstück. Es stellt "Muttis Leben mit Vater" dar und ist ein geradezu klassisches Bild amerikanischen Familienlebens. In dieser handwerklich gekonnten und Publikumspsychologisch meisterhaften Erfassung typisch amerikanischer Durchschnittssentimentalität dürfte in erster Linie das Geheimnis des Sensationellen Erfolges in den, USA liegen.

Was aber der handlungsarmen, doch milieustarken Arbeit der beiden Autoren über Amerikas Grenzen hinaus Wirkung verleiht, ist die Bezogenheit des Sujets, auf die das Familienleben durchgehende Mütterlichkeit einer ebenso gütigen wie gläubigen Frau sowie die Fundierung im Allgemein-Menschlichen Freilich, ein Umstand wird die Verordnung, dieses Lustspiels in Deutschland regional begrenzen: Die für europäische Begriffe ungewohnte Unbefangenheit, mit der das Religiöse in die sonsttreffliche Situationskomik hineinverwoben wird. Übrigens vermittelt, das Stück auch einen literarischen Gewinn, denn es macht die Verschiedenheit amerikanischer Lustspielauffassung von derjenigen der deutschen: englischen, französischen und russischen deutlich. – Die von Gillis van Rappard hervorragend aufgearbeitete Aufführung mit Hermann Menschel und Claire Walbröhl in den Hauptrollen war ein weiterer Beweis des kometenhaften Aufschwungs im Bremer Schauspielleben, das im Laufe der kommenden Wochen allein vier Uraufführungen vorsieht. Heinz Degen